Kellner.shtml 03.02.2011

 

22. April 2002

Thomas Kellner hat sie alle:

Alte Karten – Neue Karten

Ein Besuch in der Braunschen Universitäts-Buchhandlung

 

Prof. Dr. Joachim Neumann und Lothar Klaumünzner im Antiquariat (v. r.)

Foto Helmut Lehmann

Prof. Dr. Joachim Neumann und Lothar Klaumünzner im Antiquariat (v. r.)

 

Im Rahmen des Jahres der Geowissenschaften haben wir unter dem Motto „Die Erde zu Kauf in historischen und aktuellen Karten“ am 22. April 2002, dem Tag der Erde, die Braunsche Universitätsbuchhandlung in Karlsruhe besucht. Es hatte sich eine größere Interessentengruppe zusammengefunden, darunter erfreulicherweise viele junge Leute. Im Antiquariat in der Waldstr. 17, einem der ältesten Gebäude der Stadt, begrüßte uns der Inhaber, Herr Thomas Kellner, persönlich. Er zeigte und erläuterte alte Karten aus den Beständen des Geschäfts und seiner privaten Sammlung, denn er ist schon als junger Mensch der Sammelleidenschaft verfallen. Der älteste Plan von Karlsruhe der Sammlung Kellner ist ein Grundrissplan aus dem Jahre 1730. Zu sehen waren unter anderem auch ein Ptolemäus-Holzschnitt, Sebastians Münsters Kartenblatt „Durlach“ sowie Blätter von Seutter und Homann. Besonders in der Zeit der Kriege gegen Ludwig XIV erschienen sogenannte „Kriegstheater“. Dabei handelt es sich um Landkarten, die das Kriegsgeschehen veranschaulichen sollten. Man kannte zwar schon Zeitungsberichte, hatte aber keinen räumlichen Bezug zu den Kampfgebieten. Die ersten Farbdrucke unseres Raumes erschienen nach der Erfindung der Lithographie als topographische Karten mit Höhenlinien im Maßstab 1 : 25 000 von vier badischen Garnisonsstädten, unter anderem auch von Karlsruhe.

Gabi Brohm hatte in der Kaiserstr. 120 eine vergleichende Zusammenstellung aktueller kartographischer Produkte vorbereitet. Sie führte zunächst neun verschiedene im Handel befindliche Stadtpläne von Karlsruhe und Ettlingen vor. Danach erläuterte sie Umgebungskarten, Wanderkarten, Radwanderkarten und topographische Karten der Gegend. Hinzu kamen Straßenkarten, Straßenatlanten, Weltkarten, Reise- und Wanderführer, Atlanten und Nachdrucke alter Karten. Von den Nachschlagewerken für Karten ist weltweit als einziges der GeoKatalog 2 des ILH-GeoCenters übriggeblieben.

 

Reges Interesse beim Besuch bei der Braunschen Universitätsbuchhandlung

Foto Helmut Lehmann

Reges Interesse beim Besuch bei der Braunschen Universitätsbuchhandlung

 

Gut verkauft sich die „Badisch-Schwäbische Landkarte“ 1 : 300 000 von Berndtson & Berndtson, die als einzige den alten Grenzverlauf zwischen Baden und Württemberg ausweist. Schließlich weiß heute kaum noch jemand genau, was früher badisch und was württembergisch war. Im Sortiment ist unter anderem die Fahrplankarte des Verkehrsklubs Deutschland, die sämtliche Bushaltestellen bringt. Hinzu kommen Fantasiekarten, wie etwa „Die Karte von Mittelerde“ von Tolkien zu „Herr der Ringe“. Auch Harry Potter und Asterix sind vertreten. Brandneu ist die Karte „Deutsche Ostseeküste 1 : 250 000“ von Reise-Know-How mit am Rand angerissenen UTM-Koordinaten. Letztere werden wegen der wachsenden Verbreitung der GPS-Geräte zunehmend nachgefragt. Die Verlage verweisen immer mehr auf ihre Internetkarten, die teilweise schon Fortführungen enthalten, die in der gedruckten Ausgabe noch fehlen. Leider ist der Kartenabsatz zu etwa 30 % rückläufig. Er krankt wie die ganze Reisebranche. Der Tag brachte einen belebenden Dialog zwischen Buchhändler und Kartograph, denn bekanntlich müssen Karten nicht nur hergestellt, sondern auch verkauft werden.

Helmut Lehmann