Koll01-02.shtml 22.03.2012
17. Januar 2002
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Kartographisches Kolloquium 2001/2002Sektion Karlsruhe der Deutschen Gesellschaft für Kartographie e. V.
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Dipl.-Geogr. Barbara Schneider, Institut für Kartographie der ETH Zürich, eröffnete die Reihe am 18. Oktober 2001 mit dem Thema „GIS-Funktionen in Atlas-Informationssystemen“. GIS-Funktionen bergen große Möglichkeiten zur Entwicklung von Atlas-Informationssystemen (AIS). Sie ermöglichen einem breiten Benutzerkreis den Einblick in räumliche Zusammenhänge. In ihrer Dissertation untersuchte Barbara Schneider, wie man GIS-Funktionen dem Laien leichtverständlich, zuverlässig und schnell zugänglich macht. Dazu wurde das Programm AGAIS (Analytical Geographic Atlas Information System) entwickelt, dessen Funktionen in die zweite Ausgabe des „Atlas der Schweiz – interaktiv“ übernommen werden. Am Beispiel des „Atlas der Schweiz – interaktiv“ wurden die in AGAIS implentierten Funktionen (thematische Abfragen, räumliche Überlagerungen, statistische Auswertungen) demonstriert. Zwar sind die Möglichkeiten gegenüber einem herkömmlichen „Papier“-Atlas wesentlich erweitert, jedoch von der Atlas-Redaktion oft noch vorbestimmt. In Teilbereichen kann aber der Nutzer auch eigene Fragen an die im Atlas enthaltenen Daten stellen. Da die Power-Point-Präsentation am Laptop nicht zur Mitarbeit zu bewegen war, setzte Frau Schneider Overhead-Folien ein. Die Nachsitzung fand erstmals im neuen Stammlokal „Badisch Brauhaus“ in der Akademiestraße statt.
Am 8. November 2001 sprach Dr. Peter Ladstätter, SICAD Geomatics, München, über „Location Based Services“. Das sind Datendienste, welche die Kenntnis der Position des Anwenders im Raum nutzen. In modernen Mobilfunknetzen ist bekannt, in welcher Funkzelle sich ein Teilnehmer aufhält. Die Genauigkeit der Ortung entspricht der Größe der Funkzelle. Mit satelittenbasierten Verfahren sind bis zehn Meter erzielbar. Die Verfahren erfordern eine Erweiterung der Netzwerk-Infrastruktur und/oder der mobilen Endgeräte. Die Ortung von Mobilfunkgeräten mit höheren Bandbreiten ermöglicht eine Reihe von Anwendungen wie positionsabhängige Infodienste, Notfall- und Rettungsdienste, Positionsverfolgung von Einsatzgruppen oder standortbezogene Gebührenberechnung. Location Based Services entwickelt sich zu einer Schlüsselanwendung bei mobilen Datendiensten. Da das Internet mobil wird, ergeben sich für Anbieter von Geoinformationen oder GIS-Software neue Möglichkeiten.
Über „Mustererkennung während der Ersterfassung zum Aufbau eines GIS bei Versorgungsunternehmen“ sprach am 22. November 2001 Dr. Georg Bauer, M.O.S.S. Computer Grafik Systeme, München. M.O.S.S. vermarktet ein Softwaresystem zur automatisierten Digitalisierung von Katasterkarten. Die daraus resultierenden Vektordaten, die eine GIS-Objektstruktur besitzen, können in Geographische Informationssysteme übernommen werden. Hierdurch wird ein erheblicher Zeit- und Kostenvorteil erzielt. Im Laufe der Jahre wurde das Mustererkennungssystem so erweitert, dass damit auch topographische Karten und Höhenlinien automatisiert erfasst werden können, insbesondere die Deutsche Grundkarte 1 : 5000. Bis auf Baden-Württemberg wird das System bei allen Landesvermessungsämtern eingesetzt. Viele Versorgungsunternehmen haben ihre analogen Planarchive in digitale Rasterform überführt und streben den Aufbau eines vektoriellen GIS an. Anhand von Beispielen aus der Strom-, Gas- und Wasserversorgung wurde gezeigt, welche Mustererkennungsmethoden einsetzbar sind. Am Beispiel wurde die komplexe Aufgabenstellung erläutert und die Grenzen der automatisierten Digitalisierung diskutiert.
Am 17. Januar 2002 sprach MA Wolfram Schwieder, Verlag Reise Know-How, Bielefeld, über „Kartographie in Reiseführern“. Als Anbieter von Individual-Reiseführern erstellt der Verlag Reise Know-How detaillierte Karten auf digitaler Basis, allerdings ohne Datenbanken. Gearbeitet wird in FreeHand. Da Karten bei der Kaufentscheidung für Reiseführer eine zunehmend größere Rolle spielen, wird ihnen auch von den Verlagen immer mehr Bedeutung beigemessen. Landkarten, Stadt- und Ortspläne dienen dazu, die im Text vorgestellten Sachverhalte räumlich einzuordnen. Ihre enge Verknüpfung mit dem Text unterscheidet sie von anderen Landkarten. Karten und Pläne übernehmen Leitfunktionen für den Benutzer. Über sie findet der Leser schnell und einfach zu bestimmten Textstellen. Die Karten müssen genau die Orte enthalten, die im Text erwähnt sind. Da Reiseführerverlage keine eigenen Vermessungen durchführen, sind sie auf Vorlagen angewiesen. Daraus ergeben sich technische, organisatorische und rechtliche Probleme – und Lösungen. Kartographie in Reiseführern ist anwenderorientiert. Daher steht nicht unbedingt die kartographisch beste Lösung, sondern die benutzerfreundlichste im Vordergrund. Nicht zuletzt spielen wirtschaftliche Erwägungen eine wichtige Rolle bei der Ausstattung von Reiseführern mit Landkarten.
Helmut Lehmann