HistKoll03-04.shtml 22.03.2012

 

4. Dezember 2003

Logo der Fachhochschule KarlsruheVermessungs- und Kartographiegeschichtliches Kolloquium 2003/2004

Fachhochschule Karlsruhe – Hochschule für Technik, Fachbereich Geoinformationswesen und Freundeskreis Geomatik im Verein der Freunde der FH e. V.

Am 20. November 2003 sprach Pierre Kayser, Professor für Geodäsie an der Fachhochschule Luxemburg, über „Die unterirdische Wasserleitung der Raschpëtzer – Ein Monument antiker Ingenieurkunst in Luxemburg“. Bei den „Raschpëtzern“ in Walferdange handelt es sich um ein sehr aufwändiges Tunnelbauwerk mit Trinkwasserleitung, das von den Römern nach dem Qanatbauprinzip erbaut wurde. Es diente der unterirdischen Fassung des Wassers und zu dessen Transport in eine Siedlung. Die gut erhaltene Anlage liefert heute noch ± 180 m³ allerbestes Trinkwasser. Die Raschpëtzer imponieren vor allem durch ihre gewaltigen Dimensionen, mit einer unterirdischen Gesamtlänge von mindestens 600 Metern, mit bis zu 30 vertikalen Schächten von bis zu 37 Metern Tiefe. Nach dem aktuellen Wissensstand ist bis heute keine vergleichbare Anlage nördlich der Alpen bekannt. Prof. Kayser schilderte die technischen Schwierigkeiten, die in der Antike bewältigt werden mussten, um einen solchen Leitungsstollen zu planen und zu bauen. Dann ging er auf die Probleme und auf die technischen Lösungen ein, welche seit der Entdeckung zum Auffinden, zur Freilegung und Erhaltung der Anlage angewandt wurden.

Helmut Lehmann

 

Unter dem Thema „Die Welt im kartographischen Blick – Zur Veränderbarkeit mittelalterlicher Weltkarten am Beispiel der Beatustradition vom 10. bis 13. Jahrhundert“ trug Dr. Ingrid Baumgärtner, Professorin für mittelalterliche Geschichte an der Universität Kassel, am 4. Dezember 2003 zu einem Abschnitt der Kartographiegeschichte vor, der nach ihren Worten seit zehn bis 15 Jahren stärker Beachtung findet: den mittelalterlichen Weltkarten in den Mönchshandschriften. Hat man diese vorher für nur wenig veränderliche Darstellungen des mittelalterlichen christlichen Weltbildes, zumeist im T-O-Schema, gehalten, erkennt man heute eher politisch, religiös, sozial und natürlich auch geographisch bedingt je unterschiedliche Inhalte und Gestaltungen. Am Beispiel der 16 bekannten Karten, die vom 10. bis zum 13. Jahrhundert den Abschriften des 12-bändigen Apokalypsekommentars des spanischen Mönches Beatus von Liébana beigefügt wurden (sog. Beatustradition) ging Prof. Baumgärtner auf die Unterschiede der äußeren Gestalt und des Inhaltes sowie der vermutlichen Ursachen dafür ein. Zu einer abschließenden Bewertung ist es allerdings noch zu früh. Dazu müssten mehr der in den Mönchshandschriften enthaltenen Karten systematisch aufgefunden und untersucht werden.

Joachim Neumann