Koll04-05.shtml 22.03.2012

 

28. Oktober 2004

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Kartographisches Kolloquium 2004/2005

Sektion Karlsruhe der Deutschen Gesellschaft für Kartographie e. V.
und Fachhochschule Karlsruhe – Hochschule für Technik,
Fachbereich Geoinformationswesen

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Das fünfzigjährige Bestehen der Sektion Karlsruhe der Deutschen Gesellschaft für Kartographie e. V. wurde am 28. Oktober 2004 in einer Festveranstaltung in der Aula der Fachhochschule Karlsruhe – Hochschule für Technik gefeiert. Im Verlauf dieser Veranstaltung standen folgende drei Fachvorträge auf dem Programm:

 

Dipl.-Ing. Hansjörg Schönherr

Foto Ludwig Zimmermann

Dipl.-Ing. Hansjörg Schönherr

 

Den Festvortrag hielt Dipl.-Ing. Hansjörg Schönherr, Präsident des Landesvermessungsamts Baden-Württemberg, zum Thema Die Rolle der Kartographie – Aspekte und Perspektiven. Der Redner fasste die Geschichte der Kartographie und den damit verbundenen Bedeutungswechsel von Karten zusammen. Die moderne Kartographie ist von ihrer Geschichte nicht zu trennen. Erfahrungen, die aus einer Jahrtausende alten Tradition gezogen werden können, lassen sich in folgenden Aspekten zusammenfassen: Kartographie erzeugt Bilder. Sie ist deshalb ein wichtiges Element der menschlichen Kommunikation. Karten bedeuten Sicherheit für den Nutzer. Für ein geordnetes Staatswesen sind Karten unverzichtbar. Hierbei wurde in Beispielen auf die Bedeutung in der Verwaltung und für Umweltinformationen hingewiesen. Die Nachfrage nach Karten ist die wichtigste Triebfeder für die Weiterentwicklung der Kartographie. Die Aufgaben der Kartographie für Staat und Gesellschaft wandeln sich zwar, bleiben aber grundsätzlich erhalten. Neben digitalen Karten wird man auch in Zukunft immer noch analoge Karten aus Papier brauchen. Der Kartenherstellungsprozess bedarf einer Beschleunigung, da viele Anwender der Aktualität der Karte höchste Priorität beimessen. Deshalb muss der Generalisierungsprozess möglichst bald umfassend programmgesteuert ablaufen. Den entsprechenden Weg gehen die Landesvermessungsämter Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Schleswig-Holstein und Thüringen konsequent. Eine stärkere Orientierung der Kartographie an Nutzerbedürfnissen ist das Ziel dieser Bemühungen.

 

Professorin Dr.-Ing. Monika Sester

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Professorin Dr.-Ing. Monika Sester

 

Über Kartographie heute – Die Sicht der kartographischen Forschung sprach anschließend  Professorin Dr.-Ing. Monika Sester vom Institut für Kartographie und Geoinformatik der Universität Hannover. Sie sieht die Technologie als einen Faktor, der neue Möglichkeiten für die Kartographie schafft, die mit dem Aufkommen kleiner mobiler Geräte einen Aufschwung erfahren hat. Diese bieten ganz neue Möglichkeiten der kartographischen Darstellung, wie adaptive bzw. individualisierte Karten, welche den Bedürfnissen des Nutzers angepasst sind. Bei den Methoden zur Erstellung solcher Karten stehen mit der Automation verbundene Prozesse, etwa Fragen der Datenintegration, im Vordergrund. Bei einer nutzerspezifischen Navigation dienen an Stelle von Straßennamen Landmarken als Grundlage für Wegbeschreibungen. Wichtig ist die automatische Generierung solcher Landmarken aus bestehenden Karten. Hinzu kommt die Adaption der Visualisierung. Als Variable dient beispielsweise das Alter des Nutzers, wobei Symbole und Signaturen auf der Karte dessen Alter entsprechend generiert werden. Als weiteres großes Feld wurde die 3D-Visualisierung aufgeführt und die unterschiedlichen Ansätze von möglicht fotorealistischen Darstellungen einerseits und nicht-fotorealistischen anderseits gezeigt.

 

Professor Dr. Robert Weibel

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Professor Dr. Robert Weibel

 

Professor Dr. Robert Weibel, Geographisches Institut der Universität Zürich/Schweiz, befasste sich mit Kartographie heute – Die Sicht der geographischen Forschung. Die Beziehung zwischen Kartographie und Geographie war seit jeher eng. Viele Entwicklungen haben die beiden Nachbarwissenschaften in gegenseitiger Beeinflussung vollzogen. Die Geographie war bis vor wenigen Jahrzehnten noch eine eher beschreibende Wissenschaft. Folglich waren ihre Anforderungen an die Kartographie auch mehr statischer, aufzeichnender Natur und konnten durch die konventionellen Produkte der Kartographie abgedeckt werden. Die moderne Geographie versteht sich als eine prozessorientierte Raumwissenschaft mit dem Ziel, räumliche Systeme und Prozesse zu erklären. Aus dieser Prozessorientierung lassen sich verschiedene Konsequenzen für die Kartographie ableiten, die in Richtung einer zunehmenden Dynamisierung, einer hochinteraktiven Arbeitsweise sowie einer stärkeren Integration von Modellbildung und Visualisierung führen. Zudem bringen technische und gesellschaftliche Trends neue Chancen und Anforderungen an die Kartographie, die in individualisierten, ortsbezogenen Diensten (Location Based Services) mit egozentrischer Perspektive ihren Niederschlag finden.

Oliver Hoehn