VortragHS2005.shtml 22.03.2012
16. November 2005
Vortragsreihe der Hochschule
Karlsruhe – Technik und WirtschaftIm dritten Vortrag der Vortragsreihe der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft im Wintersemester 2005/2006, einer Vortragsreihe, bei der sich die neu berufenen Kollegen vorstellen, sprach am 16. November 2005 Prof. Dr. Detlef Günther-Diringer zum Thema Der Paradigmenwechsel in der Kartographie – Stand der Dinge und aktuelle Tendenzen. Günther-Diringer verstand sein Thema als Brückenschlag von seinem Studium an der Fachhochschule über seine fünfzehnjährige Tätigkeit am WWF-Auen-Institut Rastatt in die Fachhochschule zurück. Nachdem zunächst interaktiv im Wikipedia (die neue interaktive und dynamische Enzyklopädie) die Begriffe Paradigma und Paradigmenwechsel geklärt wurden, beschrieb der Redner die Entwicklung der Kartographie seit etwa 1960 in einer Reihe von Stufen.
Als erste Stufe nannte er die Einführung der digitalen Produktionsprozesse, die charakterisiert werden können durch den Begriff des DeskTopPublishing. Hier konnten die Kartographen ihr „farbgetrenntes Denken“ aufgeben und erreichten insgesamt ein flexibleres Arbeiten. Die zweite Stufe beschrieb er als die Verknüpfung von Grafikdaten mit Sachdaten, also die Entstehung von geographischen Informationssystemen. Das Thema Scientific Visualisation bildet die dritte Stufe, englisch umschrieben als „the need to deal with too much data“ oder als „a computational method to see the unseen“. Die allgemeine Durchsetzung des Internet macht die vierte Stufe aus. Und obwohl zu Beginn für die Datenübertragung bildlich nur Strohhalme statt der notwendigen Feuerwehrschläuche zur Verfügung standen, haben dabei Verfügbarkeit und Aktualisierbarkeit von Karten profitiert. Die fünfte Stufe charakterisierte Günther-Diringer als die Datenverfügbarkeit, auf die seit den achtziger Jahren gewartet wurde: ATKIS, Satellitenbilder, Digitale Geländemodelle und Geodateninfrastruktur (DGI) sind die Leitbegriffe. Auf der sechsten Stufe der Web-GIS-Systeme können räumliche Informationen über das Internet abgerufen werden. Die Web-Map-Server definieren die siebente Stufe, bei der das Open GIS Consortium (OGC) die WebMapServer interfaces specification herausgibt. Ein Browser, der diesen Spezifikationen genügt, kann Geoinformationen unterschiedlicher Mapserver kombinieren. Die achte Stufe wird als das ubiquitäre GIS benannt; Geoinformationen sind überall, unabhängig von einer physikalischen Verdrahtung, verfügbar. Mobile Endgeräte, GPS/Galileo und Lacation Based Services sind die Schlagworte.
Diese acht Stufen sind mehr oder weniger am Markt durchgesetzt. Was werden die nächsten sein? Günther-Diringer verweist auf biegsame Bildschirme und intelligente elektronische Etiketten auf den RFID-Chips. Mit ihnen werden abermals nicht nur technologische Änderungen, sondern völlig neue Aufgaben auf die Kartographie zukommen. Dann zeigte er Beispiele von allen aufgeführten Stufen, wobei insbesondere Google Earth das große Auditorium fesselte. Mit der Frage „Was kommt beim Nutzer an, wenn es um raumbezogene Daten geht?“, der Antwort „Es ist die raumbezogene Visualisierung, also die Kernkompetenz der Kartographie“ und der Bekundung seines Interesses, an der Weiterentwicklung der Studieninhalte in der Fakultät Geoinformationswesen mitzuwirken, schloss Günther-Diringer seinen höchst lebhaften Vortrag.
Hans Kern