ExkStuttgart.shtml 04.02.2011
17. Januar 2006
Am 17. Januar 2006 fand eine gemeinsame Tagesexkursion der Sektion und des Studiengangs Kartographie und Geoinformatik der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft zum Landesvermessungsamt Baden-Württemberg in Stuttgart und zur MairDumont-Gruppe in Ostfildern statt, von Professor Hans Kern vorbereitet, organisiert und betreut.
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Foto Helmut Lehmann Hans Kern, Professor. Dr. Mauro Antunes aus Rio de Janeiro, Hannes Zimmer, Christian Schön und Ulrike Wegener (von links) |
Das Programm begann im Leistungs- und Service-Zentrum des Landesvermessungsamts. Den Rundgang leitete der stellvertretende Pressereferent Dipl.-Ing. Kurt Kohler. Er verdeutlichte die Aufgabenschwerpunkte des öffentlichen Vermessungswesens wie das Liegenschaftskataster, die Landesaufnahme und die Datenhaltung. Besonders kompliziert ist der Datenbestand des Digitalen Landschaftsmodells (DLM). Hinzu kommen die Digitalen Orthophotos, das durch Laserscanning entstandene Digitale Geländemodell und die amtliche Kartographie mit den analogen und digitalen topographischen und thematischen Karten.
Rainer Lüllemann zeigte anschließend vom Landesvermessungsamt vertriebene Reproduktionen alter Karten sowie das aktuelle Angebot an topographischen und thematischen Karten. In Folge präsentierte der Hochschulpraktikant Philip Lindsay Kartenprodukte der CD-ROM-Serie, an deren Entwicklung er teilweise beteiligt war.
Nach einer von Kurt Kohler gegebenen Übersicht über das digitale Datenangebot und die CD-ROM mit der Topographischen Karte 1 : 50 000 führte Helmut Hoss in die digitale Kartographie beim Landesvermessungsamt ein. Die Unterlagenerfassung erfolgt in Karlsruhe bei der Abteilung Geodäsie an SICAD-Arbeitsplätzen im Basis-DLM nach Orthophotos. Hierzu werden jährlich zwanzig Prozent des Landes beflogen. Vom Nordschwarzwald liegen bereits farbige Luftbilder vor. Hinzu kommen Geländererhebungen durch Topographen vor Ort bis zur mobilen Datenerfassung im Kleinbus. Spitzenaktualisierungen werden zweimal jährlich abgearbeitet, alle Karten in einem fünfjährigen Turnus fortgeführt. Der kartographische Fortführungsentwurf entsteht durch visuellen Vergleich des Digitalen Landschaftsmodells mit der alten Karte. Die Fortführung der einzelnen Ebenen geschieht rasterbasiert nach dem Entwurf. Dazu werden die Vektordaten abschließend in das Rasterbild integriert und dann gelöscht. Bei der Kartenreproduktion entstehen folglich noch keine echten digitalen topographischen Karten. Eine Vorstufe zur Digitalen Karte 1 : 10 000 bildet die Rasterkarte 1 : 10 000, die auf Antrag angefertigt wird. Sie wird vollautomatisch zusammengespielt aus Geodaten des Digitalen Landschaftsmodells, den Gebäudegrundrissen und den Straßennamen aus dem Automatisierten Liegenschaftskataster und den Höhenlinien der Topographischen Karte 1 : 25 000. Diese Präsentation muss bezüglich der Beschriftung noch etwas interaktiv überarbeitet werden.
Druckingenieur Wolfgang Müller führte durch die technischen Räume mit dem Lüscher-Scanner, mit der Druckerei und mit der Buchbinderei. Die Karten werden auf Vierfarbendruckmaschinen in der kurzen Scala im Echtfarbendruck produziert. In der Buchbinderei bekommen sie in einer modernen Falzmaschine ihr endgültiges Aussehen.
Ausbildungsleiter Dipl.-Ing. Hanfried Kohlscheen leitete abschließend eine Diskussion zum Berufsbild Kartograph/Geomatiker. Kartographie-Ingenieure werden beim Landesvermessungsamt, falls überhaupt, nur noch im Angestelltenverhältnis eingestellt. Eine gute Note ist schon immer ein „Türöffner“ gewesen. Über eventuelle Einstellungen entscheiden Bewerbergespräche.
Anschließend wurde die Fahrt zum Hauptsitz der MairDumont-Gruppe in Ostfildern fortgesetzt, wo der damalige Ortsverein 1982 schon einmal zu Besuch war. Dort übernahm Dipl.-Ing. (FH) Wolfgang Kolb, einst FH-Student in Karlsruhe, heute Bereichsleiter Kartographie, persönlich die Betreuung. Die Firmengeschichte begann 1948 mit der Gründung des Kartographischen Instituts Kurt Mair. Heute gehören folgende Verlage mit zusammen 500 Mitarbeitern zum Dachverband: MairDumont, Karl Baedeker Verlag, Dumont Reiseverlag, Kompass Karten GmbH, Falk Verlag, RV Verlag, Hallwag Kümmerly + Frey (Beteiligung), Varta Führer GmbH (Beteiligung), HB Verlag und der Stadtinfo Verlag sowie die Bogenoffsetdruckerei Mairs Graphische Betriebe und ein Auslieferungslager in Ulm. Seit 1950 ist die Generalkarte das stärkste Produkt.
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Foto Helmut Lehmann Wolfgang Kolb, Hannes Zimmer, Hans Kern, Professor Dr. Mauro Antunes aus Rio de Janeiro, Ulrike Wegener, Irene-Annette Bergs und Christian Schön (von rechts) |
Zunächst erläuterte Bernd Schreiber den einzigartigen Erkundungsdienst. Reiseführer und Straßenkarten werden von Verlagsmitarbeitern selbst erkundet und getestet. Anschließend demonstrierte Dipl.-Ing. (FH) André Ott die analoge Vorlagenbearbeitung. An den heute 50 kartographischen Arbeitsplätzen geht man immer mehr dazu über, Vorlagenerstellung und Produktion der vielfältigen Erzeugnisse in einem PC-Arbeitsgang zu erledigen. Die hierbei entstehenden Vektordaten werden archiviert.
Die Stadtkartographie erklärte Dipl.-Ing. (FH) Bernd Kamjunke. Bestimmte Titel werden jährlich, andere zwei-, beziehungsweise dreijährlich fortgeführt. Matthias Wörner führte die Bearbeitung der Weltatlanten vor. Die Datenbankverwaltung erfolgt kontinentweise. Es werden 14 Sprachvarianten geführt. GIS-Datenbanken sind das wichtigste Arbeitsfeld. Die klassische Kartographie hat ausgedient. Lediglich bei der Randanpassung von Schummerungen ist noch etwas Handarbeit angesagt. Die Druckerei arbeitet Computer to plate, also über rechnergestützte Direktbelichtung der Druckform.
Wolfgang Kolb bedauerte, dass so wenig Studierende an der Führung teilgenommen haben, ist doch sein Haus grundsätzlich stark an der Einstellung von Kartographie-Praktikanten mit GIS-Kenntnissen und Ingenieuren interessiert. Auch könnte die Zusammenarbeit mit dem Studiengang durch die Vergabe von Diplomarbeiten vertieft werden. Etwaige Interessenten wenden sich an w.kolb(at)mairdumont.com.
Internetauftritt: www.mairdumont.com
Die Besuche in Stuttgart und in Ostfildern waren beide mit einem umfangreichen Betriebsbesichtigungsprogramm verbunden. Die acht Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten sich an diesem aufschlussreichen Tag persönlich davon überzeugen, wie interessant und vielseitig die Aufgaben nicht nur bei einer Privatfirma, sondern auch bei einem technischen Staatsbetrieb sind. Die Exkursion hinterließ einen prägenden Einblick in die aktuellen Fragestellungen der kartographischen Arbeit.
Helmut Lehmann