Koll05-06.shtml 22.03.2012

 

26. Januar 2006

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Kartographisches Kolloquium 2005/2006

Sektion Karlsruhe der Deutschen Gesellschaft für Kartographie e. V.
und Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft,
Fakultät für Geomatik

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Am 15. Dezember 2005 sprach Professor Dr.-Ing. Jochen Schiewe vom Forschungszentrum für Geoinformatik und Fernerkundung der Universität Osnabrück zum Thema Bologna und E-Learning – Wie sieht die Geoinformatik-Ausbildung im Jahr 2010 aus?

 

Professor Dr.-Ing. Jochen Schiewe, Universität Osnabrück

Foto Helmut Lehmann

Professor Dr.-Ing. Jochen Schiewe, Universität Osnabrück

 

Mit der 1999 ratifizierten Bologna-Erklärung wird unter anderem eine Angleichung der Bildungsabschlüsse im europäischen Raum verfolgt. Durch die Einführung zweistufiger Studienabschlüsse (Bachelor und Master) nach dem angloamerikanischen Vorbild vollzieht sich derzeit auch in der deutschen Hochschulausbildung ein tief greifender Strukturwandel, so auch im Bereich der Geoinformatik-Studiengänge. In diesem übergeordneten Kontext wird die substituierende bzw. komplementäre Nutzung elektronischer Medien (E-Learning) als eine effiziente und flexible Unterrichtsform angesehen, da E-Learning einige der Grundgedanken der Bachelor- und Mastereinführung, zum Beispiel Modularisierung, Austauschbarkeit und Aktualität, unterstützen kann. Der Vortrag brachte eine kritische Bestandsaufnahme sowohl zur Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen, als auch zum aktuellen Einsatz von E-Learning-Materialien im Bereich Geoinformatik und Geodäsie. Darauf aufbauend wurde ein Ausblick auf die künftig denkbaren, organisatorischen, inhaltlichen und didaktischen Elemente der Hochschulausbildung gegeben.

Die übliche Nachsitzung fand im Badischen Brauhaus statt, an der auch Prof. Dr.-Ing. Jochen Schiewe teilnahm. Im persönlichen Gespräch ergab sich, dass er durchaus Möglichkeiten sieht, bei der Universität Münster Praktikantenplätze für Karlsruher HS-Studenten/innen anzubieten. Interessierte können sich bei ihm melden unter jschiewe(at)igf.uni-osnabrueck.de.

Für die Organisation der Kartographischen Kolloquien ist seit dem Winterprogramm Prof. Dr.-Ing. Gerhard Schweinfurth zuständig. Die Vorträge finden nach langer Unterbrechung erstmals wieder im Hörsaal he des LI-Gebäudes der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft statt.

Helmut Lehmann

 

Prof. Dr. Robert Weibel, Geographisches Institut der Universität Zürich/Schweiz, referierte am 19. Januar 2006 über das Thema Wie repräsentiert man die Vielfalt der Welt? – Mehrfachrepräsentationen in Kartographie und geographischer Informationswissenschaft. Der Vortragende beschrieb die Benutzung einer Multirepräsentativen Datenbank (MRDB), mit der verschiedene Phänomene (Zeit, Thema, Position) der Welt dargestellt werden. Mit dieser neuen Technologie ist es möglich, Daten leichter zu aktualisieren, eine Überprüfung durchzuführen, was die Datenqualität erhöht, sie zu pflegen und sie in gegenseitige Beziehung (Kardialität) zu stellen. Es ermöglicht dem Nutzer zum Beispiel bei der Verwendung digitaler Karten das Zoomen, das heißt, den Prozessmaßstab ohne weiteren Arbeitsaufwand zu ändern.

 

Professor Dr. Robert Weibel, Geographisches Institut der Universität Zürich und Professor Dr.-Ing. Schweinfurth (von links)

Foto Helmut Lehmann

Professor Dr. Robert Weibel, Geographisches Institut der Universität
Zürich und Professor Dr.-Ing. Schweinfurth (von links)

 

Das rechnergestützte automatisierte Generalisieren (interpolierende Generalisierung, Morphing)  war ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags. Professor Weibel beschrieb den Arbeitsfluss dieses Verfahrens als progressive Übermittlung von Vektordaten, die Kompression und Dekompression, sowie die topologischen Probleme, die dieses Verfahren beinhaltet. Der Vortrag wurde durch Beispiele aus Projekten der Züricher Forschungsgruppe im Bereich MRDB und durch die Vorstellung verschiedener Diplomarbeiten und Forschungsprojekte ergänzt, die sich mit diesen Methoden beschäftigen. Auf dem Gebiet der automatisierten Generalisierung wird seit über 40 Jahren gearbeitet. Der Referent sagte voraus, dass das Ziel noch lange nicht erreicht sein wird. Er schätzt, dass der heutige Stand erst etwa 40 % der Entwicklungsphase ausmacht.

Heiko Seitz und Michael Tribelhorn
Kartographie-Studenten

Weitere Informationen im Web unter:

www.geo-spirit.org

www.geo.unizh.ch/gis

 

Beim letzten Vortrag der Veranstaltungsserie 2005/2006 des Kartographischen Kolloquiums war am 26. Januar 2006 Dr.-Ing. Heinrich Anders mit dem Thema „Multi-Representation-Databases (MRDB) zur inkrementellen Fortführung von digitalen Landschaftsmodellen“ zu Gast. Der Referent hat an der Universität Stuttgart Informatik studiert, war dort von 1993 bis 1999 wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Photogrammetrie und ist seit 2002 am Institut für Kartographie und Geoinformatik (IKG) der Universität Hannover tätig.

 

Nachsitzung im Badischen Brauhaus: Dr.-Ing. Karl-Heinrich Anders und Prof. Dr.-Ing. Gerhard Schweinfurth (von rechts)

Foto Helmut Lehmann

Nachsitzung im Badischen Brauhaus: Dr.-Ing. Karl-Heinrich Anders und Prof. Dr.-Ing. Gerhard Schweinfurth (von rechts)

 

Unter einer MRDB versteht man eine Datenbank, die es ermöglicht, Daten unterschiedlicher Herkunft (Erfasser, Provider) und Modellierung (Thematik, Maßstab, Level of Detail – LoD) zu speichern, zu verwalten und explizite Verknüpfungen zwischen diesen Daten zu ermöglichen. Eine MRDB lässt sich noch einmal in zwei Untermodelle einteilen: einmal in Multi-Resolution-Databases, die Datensätze unterschiedlicher Maßstabsebenen verwalten und in Multi-Representation-Databases, in denen Daten unterschiedlichen Typs zusammengeführt werden. Ein Merkmal dieser Art von Datenbanken ist, dass korrespondierende Objekte durch Links direkt miteinander verbunden sind. Vorteil dabei ist beispielsweise die Möglichkeit der automatischen Fortführung der Daten, die zugleich Schwerpunkt der Forschung auf diesem Gebiet ist. Ganz konkret wird diese anhand einer Machbarkeitsstudie für das Amtliche Topographisch-Kartographische Informationssystem (ATKIS) untersucht. Anstatt alle Datensätze der verschiedenen Maßstäbe einzugeben, könnte in eine MRDB etwa der mit der höchsten Auflösung eingegeben und dieser für kleinere Maßstäbe automatisch generalisiert werden.

Zukünftige Forschungen beschäftigen sich unter anderem mit der Verlinkung von 3D-Daten oder mit MRDBs für ‚Mobile Information Drilling‘, was heißt, dass zum Beispiel anhand von verlinkten Objekten eines kleineren Maßstabs aus, gezielt Informationen einer höheren Auflösung angezeigt werden können.

Der am IKG entwickelte Prototyp ist bisher noch nicht im Einsatz. Noch handelt es sich schwerpunktmäßig um ein Forschungsprojekt, das gerade noch einmal um zwei Jahre verlängert wurde.

Christina Greschner
Kartographie-Studentin