Studienreise Belgien.shtml 04.02.2011

 

18. Oktober 2006

Studienreise nach Bitburg, Belgien und Luxemburg

Samstag, 14. Oktober 2006

Bitburg, Kartensammlung Dr. Thomas Niewodniczanski

Die Reisenden trafen sich pünktlich auf dem Parkplatz hinter dem B-Bau der Hochschule Karlsruhe. Nachdem alle sicher ihr Gepäck verstaut hatten, gab Professor Hans Kern, der die Studienreise organisiert und geleitet hat, eine Einstimmung auf das fünftägige Programm, das in Bitburg, Belgien und Luxemburg vorgesehen war.

Erster Anlaufpunkt nach zweistündiger Fahrt war Bitburg mit der Kartensammlung von Dr. Thomas Niewodniczanski. Dieser erhielt 2006 die höchste Auszeichnung der International Map Collectors Society, den Helen-Wallis-Award. Die Landkartensammlung des in Wilna geborenen Privatsammlers gilt als eine der wertvollsten Europas. Einen Schwerpunkt seiner Schätze bilden einzigartige Atlanten und alte polnische Landkarten. In seiner Sammlung befinden sich ungefähr 8 000 kartographische sowie 1 420 nichtkartographische Werke (zum Beispiel Bücher mit Widmung und Urkunden). Er besitzt unter anderem 2 000 Landkarten von Polen, 800 Karten über Deutschland und 200 von Luxemburg. Ebenso besitzt er 40 Unikate von Landkarten. Er hatte kürzlich eine große Ausstellung in Danzig und eine Ausstellung in Warschau mit 1 272 Karten.

Als erstes führte der leidenschaftliche Kartensammler die Gäste in seine Bücherei, in der viele Bücher mit Widmungen aufbewahrt werden. Darunter sind Unterschriften von Marie Curie, Papst Johannes Paul II und Adolf Hitler. Danach ging es in den Keller, in der die Kartensammlung aufbewahrt wird. In dieser Sammlung befinden sich unter anderem folgende Karten:

Dr. Niewodniczanski tauscht seine Karten, er verkauft aber nichts.

Nach dem eindruckvollen Besuch ging es zum gemeinsamen Mittagessen in das Hotel Eifelbräu in Bitburg. Anschließend fuhr der Bus nach Brüssel zur Jugendherberge Jacques Brel weiter. Unterwegs legte die Gruppe noch einen kurzen Zwischenstopp in Stavelot ein, wo eine kurze topographische Geländeübung durchgeführt wurde. Im Wesentlichen ging es dabei um den Vergleich der topographischen Karten von Belgien, Luxemburg und Deutschland. Einen kurzen Zwischenstopp gab es am Wasserfall von Coo, einem beliebten Ausflugsziel. Nach der Ankunft in Brüssel und der Zimmeraufteilung in der Jugendherberge ging man in kleinen Gruppen die Innenstadt erkunden.

Oliver Jansen und Jan Kischka

 

Sonntag, 15. Oktober 2006

Antwerpen, Stadtführung und Plantijn-Moretus-Museum

Nach einer morgendlichen Stadtführung folgte mittags ein Besuch des Plantijn-Moretus-Museums. Bei diesem handelt es sich um die weltweit einzige Verlagsdruckerei, die in ihrer ursprünglichen Form aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erhalten geblieben ist. Es sind sowohl die Wohngemächer, die technische Ausstattung, die Bibliothek, als auch das Firmenarchiv erhalten. Seit Juli 2005 steht das Gebäude als „Komplex Wohnung-Ateliers-Museum Plantijn Moretus“ auf der UNESCO-Weltkulturerbeliste.

Die Museumsführung begann im Innenhof. Hier wurde zuerst über den Werdegang von Christoph Plantijn, den Gründer der Druckerei, berichtet. Um 1520 in Saint-Avertin bei Tours in Frankreich geboren, zog es ihn 1549 nach Antwerpen, eines der damaligen Zentren Europas. Anfangs war er Buchbinder, jedoch fehlte ihm nach einem Angriff, bei dem ihm ein Messer in die Schulter gerammt wurde, die nötige Kraft zum Buchbinden; so wurde er Buchdrucker. 1555 gründete Plantijn seine eigene Druckerei, die größte ihrer Zeit. Er schrieb unter anderem Briefe an den spanischen König mit der Bitte um Erlaubnis zum Druck einer Polyglottbibel in fünf Sprachen (Lateinisch, Griechisch, Hebräisch, Altsyrisch und Chaldäisch). Der König gab ihm die Erlaubnis und er wurde Drucker des spanischen Königs, was ihm dazu verhalf, ein riesiges Vermögen aufzubauen. 1589 vermachte Plantijn die komplette Druckerei seiner Enkelin und deren Mann Moretus. Dieser druckte in seiner Druckereileiterzeit hauptsächlich katholische Literatur. Moretus’ Sohn Balthasar übernahm schließlich die Druckerei, er sollte der letzte familieninterne Druckereileiter sein, da die Familie die Druckerei später an die Stadt verkaufte.

Balthasar Moretus war eng mit dem flämischen Maler Peter Paul Rubens befreundet. Daher befinden sich im großen Saal, in den man nach der Einführung weiter geht, viele Familienportraits, die von Rubens gemalt wurden. Der große Saal ist auch durch das Familienmotto – LABORE ET CONSTANTIA – Arbeit und Beständigkeit – geprägt. Dieses Motto taucht auf vielen Gemälden und an der Decke in Form von Zirkeln auf. Dieser steht sinnbildlich für die Arbeit und die Beständigkeit.

Auch im anschließenden Manuskript-Saal ist dieses Motto erkennbar. Dort hängt ein sehr großes, von Erasmus Quellin gemaltes Gemälde mit dem Titel LABORE ET CONSTANTIA. Außerdem ist dieser Saal durch die vielen im Original erhaltenden Manuskripte geprägt, die Plantijn als Vorlagen für seine Arbeiten kaufte.

 

Museumsführerin Jeanne De Backer erläutert die Geschichte des Plantijn-Moretus-Hauses.

Foto Philip Lindsay

Museumsführerin Jeanne De Backer erläutert die Geschichte des Plantijn-Moretus-Hauses.

 

Auf den Manuskriptsaal folgt der Buchladen, der sich erst seit Moretus direkt im gleichen Gebäude befindet. Unter Plantijn befand sich das Geschäft noch am anderen Ende der Stadt. Hier steht unter anderem noch eine Waage, auf der man die Münzen wog, um gefälschte Münzen erkennen zu können. Außerdem befindet sich im Buchladen ein Exemplar des Index der katholischen Kirche, auf dem die von der Kirche verbotenen Bücher aufgeführt wurden. Dieser Index wurde erstaunlicher Weise erst 1966 abgeschafft (!).

Daraufhin ging es in die Druckerei. Eine Längsseite dieses Saales wird von Druckpressen eingenommen, die andere von Setzpulten beziehungsweise Letternkästen. Hier stehen unter anderem auch die beiden ältesten Druckpressen der Welt, die aus der Zeit um 1600 stammen. Plantijn war aber nicht nur im Buchdruck einer der führenden Experten, sondern er war auch einer der Ersten, der im großen Stil im Kupferstichverfahren druckte, das ja bekanntlich für die Kartographie sehr wichtig war.

Als nächstes ging es in das so genannte Lipsiuszimmer. Hier hat mit großer Wahrscheinlichkeit der niederländische Rechtsphilosoph und Philologe Justus Lipsius, einer der bedeutendsten Gelehrten des Humanismus, Texte für Plantijn korrigiert. An der Wand befindet sich eine Kopie des Rubens-Gemäldes „Justus Lipsius und seine Schüler“. Interessant an diesem Bild ist unter anderem, dass zur damaligen Zeit sogar Hundenamen latinisiert wurden. So wurde zum Beispiel aus Mops „MOPSIUS“.

Im oberen Stockwerk befindet sich der Geographiesaal. In diesem Raum sind bedeutende Karten und Atlanten der großen Kartographen, wie zum Beispiel Mercator und Ortelius ausgestellt. Eines der bedeutenden von Moretus gedruckten Kartenwerke ist die ebenfalls gezeigte so genannte TABULA PEUTINGERIANA. Diese ist die erste Karte, die das Straßennetz des römischen Reiches von den britischen Inseln, über den Mittelmeerraum und den nahen Osten bis nach Indien mit dem Ganges, der Insel Sri Lanka (INSULA TAPROBANA) im Indischen Ozean und China wiedergibt.

Vor dem Ende der Führung konnte man noch einen Blick auf drei Exemplare der Gutenbergbibel werfen, welche zwar nicht hier gedruckt wurden (entstanden vor 1461), aber trotzdem von erheblichen Wert für das Museum sind.

Daniel Carrión

 

Montag, 16. Oktober 2006

Brüssel, Koninklijke Bibliotheek van Belgie und Antiquariat Sanderus

Am sonnigen, aber kühlen Morgen stand der Besuch der Königlichen Bibliothek von Belgien auf dem Programm, der nach einem Gruppenfoto vor dem Gebäude pünktlich begann. In Vertretung von Wouter Bracke sprach Gérard Bouvin die Begrüßungsworte. Danach gab er eine Einführung in die Geschichte der Kartensammlung der Bibliothek, stellte die aktuellen Aktivitäten und Forschungsprojekte vor und führte anschließend in die Kartensammlung und die „Schatzkammer“.

Der Vortrag begann zunächst in Englisch. Da Gérard Bouvin jedoch ebenso große Probleme hatte, sich in englischer Sprache verständlich auszudrücken, wie die Zuhörer, ihn dabei zu verstehen, wurde kurzerhand in Französisch fortgefahren und vom Reiseteilnehmer Francis Fischer simultan übersetzt.

Anfangs ging Gérard Bouvin auf die Probleme der Klassifizierung der Kartenwerke ein, die im Besitz der Bibliothek sind. Zunächst herrschte keine Einigkeit darüber, ob man die Karten eher nach Autor, Inhalt oder Topographie einteilen sollte. 1901 kam es zur ersten topographischen Sortierung durch den damaligen Archivar Dirk Cornelis Tinbergen. Die Bibliothek profitierte schon damals von dem Bestreben, alles Wissen an einem Ort zusammenzufassen. Zunächst wurden jedoch die kostbaren Werke noch getrennt von den übrigen aufbewahrt. Zudem kamen auch verschiedene Arten der numerischen Klassifikation zum Einsatz. Ergänzt wurde der damalige Bestand unter anderem durch diverse Schenkungen von zum Beispiel militärischen Karten; aber auch öffentliche Versteigerungen wurden als Bezugsquelle genutzt. Später kamen dann Probleme der topographischen Zuordnung aufgrund politischer Veränderungen auf, so etwa die Problematik von Schlesien und Polen, die eine Neuzuordnung einiger Karten notwendig machte. Die Entstehung neuer Bezeichnungen zum Beispiel für polnische Ortsnamen, verstärkte dieses Problem.

Im folgenden wurden einige besondere Werke hervorgehoben und zum Teil sogar zum Bestaunen in der „Schatzkammer“ im Keller herausgesucht und gezeigt, so zum Beispiel der erste Atlas mit Quellenangaben von Abraham Ortelius, sehr gut erhaltene Portolankarten, darunter eine Bartholomäusausgabe von 1572, der Stadtatlas von Deventer von 1530, bestehend aus 200 Plankarten, der auf Befehl König Philipp II hergestellt wurde. Dann zeigte man noch Seekarten von den Niederlanden aus dem Jahre 1777, die durch ihre verbesserte Triangulation damals wissenschaftlich und ästhetisch einmalig und maßgebend für viele Nachfolger waren. Nur drei Werke sind davon heute noch erhalten. Des Weiteren waren Karten der Niederlande von Willem Janszoon Blaeu aus dem Jahre 1604 und von Gérard Mercator von 1609 zu bewundern, außerdem verschiedene Ausgaben des LEO BELGICUS – des Belgischen Löwen und eine Cassini-Karte, die auf Befehl Ludwig XV entstanden ist.

 

Die Studenten verfolgten mit großem Interesse die Führung durch die „Schatzkammer“ der Königlichen Bibliothek.

Foto Christoph Klee

Die Studenten verfolgten mit großem Interesse die Führung durch die „Schatzkammer“ der Königlichen Bibliothek.

 

Es folgten einige Kartenbeispiele, die demonstrieren sollten, dass die Randgestaltung von Karten zur damaligen Zeit von zunehmendem Interesse war und als Teil des Gesamtwerkes betrachtet werden sollte. Gegen Ende ging Gérard Bouvin auf die Essigsäure, die Leitsubstanz für den oxidativen Abbau von Cellulose und die dadurch entstehende Gefahr für Karten ein, welche durch die besondere Konservierung der archivierten Karten in Spezialpapier minimiert werden soll.

Zum Abschluss seiner sehr interessanten Führung präsentierte Gérard Bouvin den Scanner, mit dem das ehrgeizige Ziel verfolgt wird, nach und nach alle Karten mit einer Auflösung von 400 dpi digital zu archivieren.

Christoph Klee

 

Nachmittags wurden die Karlsruher im Antiquariat Sanderus in Gent erwartet, das sich auf alte Karten aus aller Welt spezialisier hat. Es bietet Karten vom 15. bis zum 18. Jahrhundert an. Der Eigentümer heißt Filip Devrou und führt das Geschäft zusammen mit seinem Sohn Dieter Devrou. Sein zweiter Sohn Brecht Devrou vertreibt antike Karten und Drucke in einem Antiquariat in Brüssel. Begonnen hat Filip Devrou, der eigentlich Informatik studiert hat, 1978 mit dem Sammeln von billigen Büchern und Karten, die man auf dem Trödelmarkt bekam. Heute sammelt er ausschließlich Ikonen.

Nach kurzer Begrüßung und Vorstellung der Gruppe durch Hans Kern zeigte Filip Devrou einige seiner Raritäten, zum Beispiel:

Beim anschließenden Rundgang durch das Antiquariat konnte man etliche andere Karten bestaunen, die für den Geldbeutel der anwesenden Studenten eher unerschwinglich waren. Hierbei lohnt es sich verschiedene Namen zu nennen:

Johannes Janssonius, Frederik Dewit, Hendrick Doncker, Nicolas Sanson/Hubert Jaillot, Nicolas Visscher, Henri Châtelain, Christianus Adrichomius

Anschließend plauderte „der Chef“ aus seinem Nähkästchen über ein sehr gutes Geschäft. Es sei eine wichtige Methode, den Überblick auf dem Markt zu behalten, neben den einschlägigen Katalogen auch im Internetauktionshaus eBay und bei Sotheby’s nachzuschauen. So fiel ihm beim Durchlesen des aktuellen Sotheby’s Kataloges ein Angebot auf. Bei diesem handelte es sich um einen Atlas von Lord Wardington, in dem ein Exemplar des weltbekannten Sea-Atlas versteckt integriert war. Er wurde sofort stutzig und prüfte interessiert, um welche Qualität es sich dabei handelte. Er ließ sich ein Foto von einer bedruckten Atlasrückseite geben, wobei eine Verfärbung zu sehen war, die genauso aussieht, wie wenn zuviel Tinte auf ein Blatt Papier kommt und diese dann auf die Blattrückseite durchschlägt. So kann man erkennen, ob es sich um einen Nachdruck handelt oder um ein Original. Nach der erfolgreichen Überprüfung ersteigerte er diesen Atlas für 44.000 Euro. Zum Vergleich: Experten schätzen den Sea-Atlas von Lord Wardington auf 1,5 Millionen Euro. Ein Schnäppchen für Filip Devrou, nur weil sich keiner den Atlas genau angeschaut hatte.

Gegen Ende des Besuches verriet der Geschäftsinhaber kleine Praktiken seiner Arbeit. So beschränkt er sich heute ausschließlich auf „buy and sell“. Er tauscht und sammelt nichts davon und die Waren aus seinem Antiquariat kann man innerhalb einer Woche bei Nichtgefallen zurückgeben. Bei der Frage, ab welchem Betrag man eine gute und wertvolle Karte erstehen kann, hatte der Antiquar eine Empfehlung für die Studenten parat: In der Preisklasse von ca. 250 Euro bekommt man Karten von Deutschland aus dem 17. Jahrhundert, die sich im Wert entwickeln werden.

Weitere Informationen können auf der Internetseite des Antiquariats Sanderus abgerufen werden: http://www.sanderusmaps.com

Der Nachmittag klang durch einen Kurzaufenthalt in der schönen Innenstadt von Gent aus.

Bernd Maier

 

Dienstag, 17. Oktober 2006

Brüssel, Nationaal Geografisch Instituut (NGI) und Sint-Niklaas, Mercator Museum

Das Nationale Geographische Institut liegt direkt in Brüssel. Überpünktlich angekommen, nutzte man die freie Zeit für ein Gruppenfoto vor den Toren des Institutes.

 

Hauptgebäude des Nationalen Geographischen Instituts, Abdij ter Kameren, Brüssel.

Foto Philip Lindsay

Hauptgebäude des Nationalen Geographischen Instituts, Abdij ter Kameren, Brüssel.

 

Die Teilnehmer vor dem Nationalen Geographischen Institut, Brüssel.

Foto Philip Lindsay

Die Teilnehmer vor dem Nationalen Geographischen Institut, Brüssel.

 

Eine interessante Eröffnungsrede von Jean-Yves Pirlot, dem stellvertretenden Direktor, vermittelte einen kleinen Überblick über Aufgaben und Struktur der Einrichtung. Ehemals eine Abtei, die im 12. Jahrhundert errichtet wurde, beherbergt das Institut heute über 270 Mitarbeiter, aufgeteilt in sieben Abteilungen und in Unterabteilungen. Das gesamte Institut wird mit 80 % aus Staatsmitteln finanziert, wobei die restlichen 20 % aus eigenen Erlösen eingebracht werden.

Nach der Eröffnungsrede gab der Geograph Steven Rowens eine Einführung über die gesamten Produktpaletten, die derzeit in den einzelnen Abteilungen erstellt werden. Das Institut wurde im 19. Jahrhundert als Topographische Abteilung der Belgischen Armee gegründet. Bis in die siebziger Jahre arbeitete es ausschließlich für das belgische Militär. Erst seit dem Jahre 1976 trägt das Amt seinen heutigen Namen. Seitdem werden auch Dienste im privaten Sektor angeboten. Zu den Hauptaufgaben zählt das Sammeln und Aktualisieren topographischer Karten. Derzeit werden innerhalb der Photogrammetrischen Abteilung noch über 70 Prozent an analogen Karten verarbeitet. Ferner pflegt das NGI historische Kartenwerke von Belgien.

Vergleichbar zum deutschen ATKIS wird derzeit ein ähnliches Projekt mit dem Namen SGISR (Seamless Geographic Information System of References) durchgeführt. Es wurde damit begonnen, sämtliche erhobenen Daten und Kartenwerke in einer GIS-Datenbank zusammenzufassen.

 

Anaglyphenbrillen stehen uns sehr gut!

Foto Philip Lindsay

Anaglyphenbrillen stehen uns sehr gut!

 

Ein großer Teil der Besichtigung führte in die kartographische Abeilung. Dort stellte Benoit Huwart die aktuelle Arbeit vor. Mittels modernster stereoskopischer Hilfsmittel werden geographische Sachdaten erhoben und bearbeitet. Nach der Führung präsentierte Hubert Lardinois vorhandene Kartenwerke unterschiedlichster Maßstabe. Mit der Möglichkeit eines kleinen Einkaufs verschiedener Kartenwerke im hauseigenen Ladengeschäft endete der erste Teil des Tages.

Rechtzeitig fuhren die Teilnehmer in Richtung Sint Niklaas zur Besichtigung des Mercator-Museums am frühen Nachmittag. Mit hungrigem Magen erreichte man das Städtchen. Die Führung begann unter Leitung von Mieke Foubert. Gerhard Mercators Geburtsort Rumpelmonde gehört zum Bezirk Sint Niklaas. Das Museum besitzt eine interessante Sammlung historischer Karten und Globen Mercators. Ferner zeigt es das Leben und Wirken des großen Kartographen. In einem weiteren Flügel wird mit interessanten Darstellungen und Veranschaulichungen die gegenwärtige Kartographie vorgestellt.

Nach der Museumsbesichtigung war noch Gelegenheit, eine kleine private Stadtbesichtigung durch Sint Niklaas zu wagen und das wohlverdiente Mittagessen nachzuholen. Am frühen Abend begann die Fahrt zur Jugendherberge in Brüssel. Ein gelungener Tag, bei dem jeder auch etwas für sich mit nach Hause nahm.

Kai Sola und Sebastian Weiß

 

Mittwoch, 18. Oktober 2006

Luxemburg, Eurostat-GISCO und Services du Géomètre der Stadt Luxemburg

Morgens begann die Rückreise von der Jugendherberge (Gîte d’étape-Auberge de jeunesse) in Brüssel. Es waren noch zwei Besuche in Luxemburg vorgesehen, vormittags beim Statistischen Büro der Europäischen Gemeinschaft Eurostat. Dort stellte Albrecht Wirthmann das GISCO-Projekt vor, dessen Administrator er ist. Eurostat stellt der Europäischen Union einen hochwertigen statistischen Informationsdienst zur Verfügung. Das Institut arbeitet nicht nur eng mit internationalen Organisationen wie UNO und OECD zusammen, es kooperiert auch mit Ländern außerhalb der Europäischen Union. GISCO bereitet regionale Indikatoren und geographische Informationen in elektronischen Karten auf. Praktika können bei Eurostat durchgeführt werden; allerdings gibt es einen mindestens achtzehnmonatigen Vorlauf, da die Bewerber eine ganze Reihe von Auswahlverfahren durchlaufen müssen. Mehrsprachigkeit ist ein Muss.

 

Services du Géomètre der Stadt Luxemburg, Germain Breger, Nico Schares und Norbert Neis (von links)

Foto Philip Lindsay

Services du Géomètre der Stadt Luxemburg, Germain Breger, Nico Schares und Norbert Neis (von links)

 

Nach der Mittagspause folgte ein Besuch beim Vermessungsamt der Stadt Luxemburg. Die Besucher wurden von Norbert Neis begrüßt, dem Direktor der Dienststelle. Nico Schares gab anhand historischer Kartendokumente einen kurzen Einblick in die Entwicklung der Kartographie für die Festungsstadt Luxemburg bis zu den ersten photogrammetrischen Auswertungen analoger Stadtkarten. Danach behandelte German Breger den heutigen Einsatz der digitalen Kartographie als Grundlage geographischer Informationssysteme und stellte den Einsatz der zur Verfügung stehenden kartographischen Unterlagen bei den verschiedenen Ämtern der Stadt vor. Es wurden Themen angesprochen wie Erfassungskonzept, Datenmodellierung, Anforderungen seitens der verschiedenen Ämter, IT-Architektur und Softwareeinsatz, Datenmigration und weitere anstehende Projekte. Auf die schon traditionellen Fragen nach der Möglichkeit, ein Praxissemester zu absolvieren, eine Diplomarbeit anzufertigen oder gar einen Arbeitsplatz zu erhalten, wurde versichert, dass es für gut ausgebildete Studenten der Fachrichtung zurzeit beste Einstellungschancen geben würde.

Mit diesem sehr beruhigenden Ausblick wurden die letzten Stunden der Heimfahrt nach Karlsruhe angegangen. Schließlich erreichten alle wohlbehalten den Parkplatz an der Hochschule. Erwartet von Ehepartnern und Freunden gab es ein kurzes Abschiednehmen und die Versicherung, dass eine gelungene Studienreise vielseitige Anregungen vermittelt hat.

Hans Kern