2007PTV.shtml 22.03.2012

 

25. Januar 2007

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Kartographisches Kolloquium 2006/2007

Sektion Karlsruhe der Deutschen Gesellschaft für Kartographie e. V.
und Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft,
Fakultät für Geomatik

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Dipl.-Betriebswirt Christian Riesenberger und Dipl.-Ing. Christoph Poggemann von der Planung Transport Verkehr AG (PTV), Karlsruhe, trugen am 25. Januar 2007 zum Thema Technische Grundlagen und kommerzielle Anwendung von Web-Services vor.

Nach einer kurzen Vorstellung der Firma und einer allgemeinen Definition des Begriffes Web-Service folgte eine ausführlichere Betrachtung der Thematik am Beispiel der Online-Navigation.

Es handelt sich hierbei um web-basierte Anwendungen; das heißt Benutzer können mit Hilfe bestimmter Anwendungsmodule jegliche Informationen mittels Handy abrufen. Die Applikation für die Online-Navigation funktioniert mit jedem GPS- oder UMTS-fähigen Handy. Das Prinzip ist ganz einfach: Mit dem Handy wird eine Anfrage an einen Web-Service geschickt und dieser sendet die aktuelle Position, inklusive der berechneten Route, zurück zum Handy. Nach individuellem Wunsch können weitere Informationen wie Verkehrslage und Hotels angefordert werden. PTV hat 1998 als erster diese Art der Navigation mit einem Thin Client auf dem Server entwickelt. Es hat jedoch etwas gedauert, bis die Methode hohes Wachstum und Attraktivität erlangt hat. Heute ist Online-Navigation sehr gefragt, da die Grundlagen dafür wie günstige Tarife und eine schnelle Datenübertragung gewährleistet sind.

 

Dipl.-Ing. Christoph Poggemann, Dipl.-Betriebswirt Christian Riesenberger und Dr.-Ing. Gerhard Schweinfurth (von links)

Foto Helmut Lehmann

Dipl.-Ing. Christoph Poggemann, Dipl.-Betriebswirt Christian Riesenberger und Dr.-Ing. Gerhard Schweinfurth (von links).

 

Folgendes Ablaufprinzip wird nach einer Anfrage an die PTV-Server in Gang gesetzt: Zunächst erfolgt die Routenberechnung, deren Ergebnisse in mehreren „Daten-Häppchen“ ans Handy zurückgeliefert werden. Die Aufteilung der Route in Segmente ist vorteilhaft, da die Daten hoch aktuell sind und das Datenvolumen begrenzt bleibt. Danach wird die Verbindung beendet und die Navigation erfolgt über das Handy ohne Server. Ist das Segment der Route fast abgefahren, liefert der Server das nächste Segment zur Weiterfahrt. Ein Datensegment (etwa 20 Kilobyte) beinhaltet die Route innerhalb von 30 Minuten Fahrzeit, inklusive Karte und aktueller Verkehrslage. Die Route wird nicht nur als Linie geliefert, sondern auch mit Informationen zur Umgebung unmittelbar in diesem Bereich, ein sogenannter Route-Corridor (zum Beispiel mit 100 Metern Breite). In diesem Korridor befinden sich Straßenknotenpunkte, die die Fahrtrichtung für das Auto angeben, damit es wieder auf die ursprüngliche Route kommt. Das GPS gleicht die Position einfach ab und entscheidet aufgrund der bestehenden Server-Informationen. Dies ist sinnvoll für Umleitungen oder Irrfahrten.

Obwohl die Kernfunktion und die verschiedenen Anwendungsmodule von der PTV selbst entwickelt wurden, muß auf Daten von Fremdanbietern zurückgegriffen werden. Die Geodaten werden beispielsweise von Navteq und Teleatlas eingekauft. Dazu kommen fremde Datenbanksysteme (Hotelbuchungssysteme) sowie aktuelle Informationen zur Wetter- und Verkehrslage. Dies hat zur Folge, daß immer eine gewisse Abhängigkeit besteht und die PTV bei einer Routenberechnung einen Kostenanteil von nur 30% hat.

Aufgrund der wachsenden Nachfrage müssen viele Erwartungen der Kunden berücksichtigt werden. Die Online-Navigation sollte leicht in die bestehende Software zu integrieren sein, damit keine zusätzlichen Softwareprodukte oder Lizenzen benötigt werden. Es wird bereits mit offenen Standards gearbeitet (HTML- und browser-orientiert, J2EE kompatibel, besitzt XML-basierte Schnittstellen). Zudem kann der Kunde entscheiden, ob er die komplette Anwendung implementiert haben möchte oder nur die Kernfunktion in ein bestehendes Portal integrieren will. Mobile Anwendungsmodule machen es möglich, daß der Kunde sich sein System selbst zusammenstellen kann. Es gibt weiterhin viele Möglichkeiten zur eigenen Konfiguration (manuelle Routenspeicherung, Editierfunktionen).

Neben der Online-Navigation gibt es noch weitere Web-Services wie Callcenter-Applications (telefonische Auskunftsdienste), Floating-Car-Data (aktuelle Verkehrslagen), Location-Based-Services (Touristic City Guides) und SMS/MMS-Services (Warnmeldungen bei Radarkontrollen).

 

Im Großen und Ganzen zeigten Christian Riesenberger und Christoph Poggemann mit ihrem Vortrag die technische Revolution der Online-Navigation auf, wobei die Funktionsweise und die zunehmende Bedeutung der Web-Services in naher Zukunft deutlich wurden.

Eileen Mosch