20081106 Papay Bericht.shtml 22.03.2012
6. November 2008
Vermessungs- und Kartographiegeschichtliches Kolloquium 2008/2009Am 6. November 2008 sprach Prof. Dr. Dr. Gyula Pápay von der Universität Rostock zur „Kartographie des Barock im Spannungsfeld von Kunst und Wissenschaft“.
|
Foto Helmut Lehmann Gyula Pápay, Universität Rostock |
Nach der Renaissance kam es im Zeitalter des Barock, das etwa von 1575 bis 1770 dauerte, zu einer Trennung von Kunst und Wissenschaft. Dennoch lassen sich auch weiterhin gemeinsame Aspekte ermitteln. Ein Beispiel hierfür ist die Entdeckung der Dynamik, die sowohl Eingang in die Plastik, in die Malerei und die Architektur fand als auch in die Wissenschaft, wo die Entdeckung irdischer und himmlischer Bewegungsgesetze durch Isaac Newton und Johannes Kepler hervorstechen. Folgerichtig erhielt der Globus als dynamische kartographische Darstellungsform eine besondere Beachtung. Der Globus wurde Symbol des Weltwissens und der absolutistischen Macht. In Karten finden sich nun mitunter dynamische Elemente wie Meeresströmungen und Windsysteme. Die Entstehung der Geschichtskartographie zeugt von der Entdeckung der Zeit in der Kartographie.
Ein weiteres vereinendes Merkmal barocker Kunst und Wissenschaft ist die Zuwendung zum Licht. Erste Licht- und Farbtheorien entstanden. Die Optik stieg zu einem bedeutenden Wissenschaftszweig auf. Dies war die Basis für genauere Messinstrumente, die präzisere Ortsbestimmungen und damit auch Kartenaufnahmen ermöglichten. In der Malerei wurde die Plastizität durch Wiedergabe von Beleuchtungseffekten mittels starker Hell-Dunkel-Kontraste gesteigert. Diese Effekte wurden auch bei der kartographischen Reliefdarstellung übernommen (Hans Conrad Gyger, 1667).
Zum Schluss des Vortrags wurden zwei bedeutende norddeutsche Zeugnisse barocker Kartographie vorgestellt, der Gottorfer Globus und der Große Rostocker Atlas.
Leider war das Kolloquium nicht sehr gut besucht, da es sich zeitlich mit dem Kartographiehistorischen Colloquium in Hamburg überschnitt. Die Veranstaltung fand im Hörsaal 301, Gebäude M, der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft statt.
Wolfgang Fischer