20081207 Kart Koll WS08-09 Bericht.shtml 22.03.2012
4. Dezember 2008
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Kartographisches Kolloquium 2008/2009Sektion Karlsruhe der Deutschen Gesellschaft für Kartographie e. V.
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Das Semester ist zwar noch nicht zu Ende, von dem im Rahmen des von der Fakultät für Geomatik und der DGfK-Sektion Karlsruhe gemeinsam an der Hochschule für Karlsruhe – Technik und Wirtschaft veranstalteten Kartographischen Kolloquium im Wintersemester 2008/2009 kann aber bereits berichtet werden. Auch wenn einer der Vortragenden leider wieder absagen musste, so hatten wir doch ein abwechslungsreiches Programm, welches einen weiten Bogen spann über heute mögliche Betätigungsfelder für Kartographen.
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Foto Hans Kern Eröffnung des Kartographischen Kolloquiums durch
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Den Anfang machten am 9. Oktober 2008 die Diplom-Geographen Volker Bode und Christian Hanewinkel vom Leibniz-Institut für Länderkunde e. V. (IfL) in Leipzig. Sie berichteten ausführlich über die neuesten Entwicklungen nach Abschluss der Print- sowie der elektronischen Version des zwölfbändigen Nationalatlas Bundesrepublik Deutschland (NAD), dem Nationalatlas-Portal (siehe www.nationalatlas.de). Hier kann, als erstes Folgeprojekt, auf die elektronische Zeitschrift „Nationalatlas aktuell online“ zugegriffen werden, die alle zwei bis vier Wochen erscheint. Zum Zeitpunkt des Vortrags waren 16 Ausgaben erschienen mit insgesamt 40 Karten, bereichert um Graphiken, Fotos, Texte, Glossare und Quellenangaben. Denn Machern ist wichtig, dass die Quellen offen gelegt werden und dass die Adressatenkreise – die breite Öffentlichkeit, Lehre/Schulunterricht, Medien – auch zum jeweiligen Autor Kontakt aufnehmen können. Die präsentierten Informationen stehen für die nicht-kommerzielle Nutzung frei zur Verfügung. Zudem werden alle Beiträge archiviert. Auch ist man bestrebt, die jeweils etwa 16 Beiträge pro Jahr in einer Jahresschrift in gedruckter Form zu veröffentlichen. Während Volker Bode als der Redakteur ausführlich zum Hintergrund, zu den bisherigen Themen, zur Erarbeitung der Beiträge, zur Medienresonanz und so weiter berichtete, führte Christian Hanewinkel im Anschluss Produkte vor: die „Lieblinge“ aus der elektronischen Version des NAD, Beispiele aus „Germany in Maps“ (einer Länderkunde) sowie solche aus dem Nationalatlas-Portal. Als neu wurde ein Zoom-Tool herausgehoben, programmiert in Flash. Schnell war er in Diskussionen verwickelt bezüglich der technischen Umsetzung, wobei am IfL grundlegende Entscheidungen zur künftigen technischen Realisierung anstehen. Ja, das Publikum zeigte sich hier auffallend wissbegierig.
Foto Hans Kern Sigrid Ortwein und Ralph Stegmaier, beide freiberuflich
tätig im |
Mit dem Vortrag am 30. Oktober 2008 blieben wir Deutschland und seiner Präsentation auf Karten treu. Dieses Mal jedoch nicht durch Geo- bzw. Kartographen sondern durch kartographische Autodidakten, wie sie sich selbst nannten. Eingeladen waren die beiden Graphiker Sigrid Ortwein (»caepsele«) und Ralph Stegmaier von ihren Erfahrungen mit der Rubrik „Deutschlandkarte“ im „ZEIT magazin LEBEN“ zu berichten. Dies geschah sehr lebhaft und im ständigen Dialog zwischen den Vortragenden. Informationsdesign ist heutzutage Mode, gehört zum Lifestyle. Dabei geht es generell darum, die vielen Daten in handliche, erklärende Bildgraphiken zu verpacken. Ob für Orientierungs- oder Leitsysteme, bei der graphischen Umsetzung von Statistiken, mittels Karten, auf Bedienungsanleitungen, für Interface-Design oder Informationsarchitekturen, der erzählerische Charakter, die individuelle Ansprache und das Infotainment (also Unterhaltung) stehen im Vordergrund. Zwischen Produzent und Konsument soll eine Bindung aufgebaut werden. Am Ende dieser gekonnten Schau zum Informationsdesign stand die Behauptung, dass das Genaue nur noch zweitrangig sei, dies auch als Begründung, warum Graphiker/Designer die Deutschlandkarten für die ZEIT erstellen. Somit war das überwiegend kartographische Publikum gespannt zu hören, wie Graphiker gefordert sind, wenn sie einen solchen Auftrag annehmen. Und hier wurde anschaulich aus dem „Nähkästchen“ geplaudert: zur Vorgeschichte, zum ursprünglichen Konzept, zur Zusammenarbeit mit dem Redakteur, zu den Schwierigkeiten mit dem Raumbezug und so weiter, dies unterlegt durch Beispiele zu den Ausgangsdaten sowie realisierten Deutschlandkarten. Was aber konnten wir lernen, außer dass sich Graphiker mit Karten schwer tun beziehungsweise ungern Karten machen? Graphiker nutzen insbesondere die Typographie als Gestaltungsmittel. Zudem, man kann nicht nur die Karte (den Vordergrund) gestalten sondern auch den Hintergrund, zum Beispiel als rot karierte Tischdecke beim Kartenthema „Welche Lebensmittel sind EU-weit geschützt?“.
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Foto Helmut Lehmann Professorin Dr. Sara Fabrikant, Universität Zürich |
Den dritten und letzten Vortrag, am 4. Dezember 2008 bestritt Professorin Dr. Sara I. Fabrikant von der Universität Zürich (GIVA, Geographische Informationsvisualisierung und Analyse). Ihre Zusage hat uns sehr gefreut, ist sie sonst insbesondere im Ausland zu hören. Auch hier als Ausgangspunkt die Datenflut, gar „Daten-Tsunamies“ beziehungsweise Informationsexplosion, jedoch nicht deren Präsentation durch handliches Informationsdesign sondern anhand der Informationsvisualisierung, im Englischen Spatialization. Die „Verräumlichung“ erzeugt hier graphische Schnittstellen zu großen Datenbanken. So zeigte Sara Fabrikant in einem ersten Beispiel Visualisierungen, was an Wissen produziert wird mit den zugrunde liegenden semantischen Netzwerken. Diese können dazu dienen festzustellen, in welche Forschung gegebenenfalls noch investiert werden sollte. Wie werden nun aber solche nicht-räumlichen Daten verräumlicht präsentiert? Eine Tabelle kann man sich bereits als erste Verräumlichung vorstellen. Bei dieser Transformation werden die Daten in eine graphische Logik umstrukturiert. Die Transformationen nutzen Konzepte der realen Welt (reale Phänomene, Kontext, absolute Lage, Raum-Zeit, Maßstab) für eine metaphorische Abbildung (Datenobjekte, Relationen, relative Lage, Raum ist Zeit, Granularität). In anderen Worten, geographische Perspektiven werden in geographische Primitive transformiert. Als Beispiel für eine Umsetzung von strukturierten Daten kamen die neuesten Wahlergebnisse aus den USA dran. Mittels Self-organising Maps (SOM, auf Neuronalen Netzen basierend) wurde gezeigt, wie man sich die Wahlergebnisse mal von einer anderen Seite aus anschauen beziehungsweise analysieren kann. Zu semi-strukturierten Daten mussten Reuters-Artikel herhalten. Hier zeigte Sara Fabrikant, wie sie ihrem Forschungsinteresse Raumkognition (wie gut funktioniert eigentlich ein (karto-)graphisches Produkt?) über empirische Tests nachgeht. Auch wenn die Probanten Visualisierungen nicht-räumlicher Daten betrachten, so funktionieren hier doch die kartographischen Prinzipien. Das heißt, bei solchen Visualisierungen können Algorithmenprobleme graphisch korrigiert werden. Dieser Vortrag war sicherlich nicht ganz einfach, zeigte aber neue Möglichkeiten der kartographischen Visualisierung auf.
Wir bedanken uns bei allen Vortragenden und wünschen uns auch in Zukunft ähnlich zahlreiche Zuhörer!
Gertrud Schaab
Das Kartographische Kolloquium des Wintersemesters 2008/2009 wurde von Professorin Dr. Gertrud Schaab organisiert. Es fand im Großen Hörsaal Bauwesen des B-Gebäudes der Hochschule Karlsruhe statt.
Helmut Lehmann