20090122 Hell Bericht.shtml 22.03.2012
22. Januar 2009
Vermessungs- und Kartographiegeschichtliches Kolloquium 2008/2009
Seine Abschiedsvorlesung „Analog, Analytisch, Digital – 40 Jahre Photogrammetrie nah und fern“ hielt am 22. Januar vor großem Publikum Professor Dr.-Ing. Günther Hell.
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Foto Camilla Ferber-Gabold Prof. Dr.-Ing. Günter Hell, Hochschule Karlsruhe |
Schon die Diplomarbeit von Günther Hell führte ihn aus alpinistischem Interesse nach Spitzbergen mit einem Thema aus der Photogrammetrie. An ausgewählten eigenen Forschungsarbeiten stellte er die Entwicklung der Photogrammetrie seither vor, wobei er mit der Definition der Photogrammetrie begann. Während in der analogen Phase die Aufnahmesituation mit aufwendigen Geräten nachgebaut und so optisch-mechanisch umgekehrt wurde, erfolgt die Umkehrung in der analytischen Phase weiter mit teurer Gerätschaft, aber jetzt rechnerisch auf der Grundlage analoger Bilder. In der digitalen Phase schließlich entfallen die teuren Geräte, die Umkehrung erfolgt voll algorithmisch unter Verwendung digitaler Bilder, in einer „Office“-Version sozusagen. Ein abschließender Block widmete sich den heutigen Möglichkeiten der 3D-Visualisierung. Mit einer Investition von € 10 000 kann man heute Photogrammetrie betreiben.
Zu glaziologischen und geomorphologischen Fragen führten ihn zahlreiche Expeditionsvermessungen in die Arktis (Ellesmere Island, Ward Hunt Island), in die Antarktis (Südshetlands, Ekström Schelfeis), nach Südamerika und in die Alpen. Archäologische Aufnahmen von Gebäuden wurden in Italien (Castel del Monte), der Türkei (Karasis) und von Steininschriften in China (zum Beispiel am Culaishan) durchgeführt. Und dann gibt es noch exotischere Projekte wie die Vermessung von Spurrillen auf Autobahnen und des Schädels eines Neandertalers.
Lebendig wurde der Vortrag durch die Schilderung vieler Expeditionsdetails: Wie lebt man in Sturm und Eis in einem Zwei-Mann-Zelt in der Arktis, wie richtet man eine Dusche fernab von Wasser und Siedlungen auf einer Burgruine ein. Auch die Fachleute kamen auf ihre Kosten bei Themen wie Bündelausgleichung, digitaler Entzerrung und automatischer Bildkorrelation.
Professor Dr.-Ing. Günther Hell wurde zum 1. September 1980 an die seinerzeitige Fachhochschule Karlsruhe berufen. Im Studiengang Kartographie (jetzt Kartographie und Geomatik) unterrichtete er die Fächer Photogrammetrie, Fernerkundung, Kartennetzlehre und 3D-Visualisierung. Er war 1983 Gründungsmitglied des Instituts für Photogrammetrie und Kartographie (seit 2004 Institut für Geomatik) und wirkte seit Grümndung des Instituts bis zu seiner Pensionierung als Geschäftsführender Direktor. In einer Reihe weitere Funktionen engagierte er sich für die akademische Selbstverwaltung.
Hans Kern