20091119 Bericht Hayn.shtml 22.03.2012
19. November 2009
Vermessungs- und Kartographiegeschichtliches Kolloquium 2009/2010
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Foto Helmut Lehmann Eberhard Hayn, Eggenstein-Leopoldshafen |
Die Vortragsreihe des Wintersemesters 2009/2010 soll Kartensammlern aus dem badischen Raum die Möglichkeit geben, ihre Schätze vorzustellen. Als erster sprach am 19. November 2009 Eberhard Hayn, Vorsitzender Richter am Verwaltungsgericht Karlsruhe a. D., über das Thema „Atlanten der Zwischenkriegszeit“. Als langjähriger Sammler historischer Atlanten konnte er locker aus dem reichen Schatz seiner persönlichen Erfahrungen plaudern. Besprochen wurden so bekannte Atlanten wie der „Handelsschul-Atlas von Karl Peucker“ mit seiner typischen Geländedarstellung, der „Oberstufen-Atlas“ von Hermann Haack, aber auch von Notausgaben, wie etwa „Harms Billige Atlashefte“ mit ihrer ebenfalls sehr plastischen Geländedarstellung.
Schon vor 1933 waren jeweils die nach dem ersten Weltkrieg von Deutschland abgetrennten Gebiete deutlich dargestellt. Folgerichtig geriet das Kolloquium zu einer kleinen Geschichtsstunde. Kaum noch bekannt ist, dass selbst Nordschleswig an Dänemark gefallen ist, obwohl es am Krieg gar nicht beteiligt war. Der „Sydow-Wagner“ ist der anspruchvollste Atlas, der in Deutschland je erschiene ist. Unter anderen folgen der „Reichswehratlas“, einige ausländische Atlanten und eine Reihe von Heimatatlanten. Aus heutiger Sicht interessiert, dass sich Städte wie Hannover, Leipzig und Chemnitz eigene Heimatatlanten leisten konnten. Von Velhagen & Klasing gab es eine eigene Ausgabe für Baden.
Während des Dritten Reiches kommt in den Atlanten die Ideologie der Nationalsozialisten zum Ausdruck, was besonders für die Völkerkunde- und Sprachenkarten gilt. Eduard Imhofs „Schweizerischer Mittelschulatlas“ mit seiner „wahnsinnigen“ Darstellung der Alpenländer erschien 1942 als einziger neutraler Atlas während des Krieges. Herrmann Haack wurde sowohl von den Größen des Dritten Reichs als auch von denen der Deutschen Demokratischen Republik geehrt. Die DGfK schloss sich 1972 mit einem Festakt zum 100. Geburtstag von Hermann Haack im Gutenberg-Museum in Mainz an.
Bestens bewährt hat sich die von Andreas Rieger erstmals eingerichtete Projektionstechnik (siehe Bild). Unter einer, auf einem Fotostativ montierten, hoch auflösenden Videokamera, welche die aufgeschlagenen Atlasseiten über einen entsprechenden Beamer an die Leinwand projizierte, konnte der Vortragende frei in seinen Kostbarkeiten blättern. Immerhin hatte er kiloweise Atlanten in den Vortragssaal geschleppt.
Die Vortragsreihe findet in der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft (Gebäude M), Moltkestr. 30, 76133 Karlsruhe statt.
Helmut Lehmann