20100114 Bericht Haller.shtml 14.03.2012

 

14. Januar 2010

Logo der Fachhochschule KarlsruheVermessungs- und Kartographiegeschichtliches Kolloquium 2009/2010

Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft, Fakultät für Geomatik und Freundeskreis Geomatik im Verein der Freunde der HS

 

Thomas Haller, Mannheim

Foto Helmut Lehmann

Thomas Haller, Mannheim

 

Das Kolloquium dieses Semesters sollte Sammlern aus der Region ein Forum bieten. Den letzten Vortrag dazu hielt Thomas Haller, Richter am Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim, am 14. januar 2010 zum Thema „Schulatlanten von Loreck und Winter“. Diese Atlanten sind im Verlag Piloty und Loehle erschienen. Sie werden in Antiquariaten nur selten angeboten und selbst Informationen über Verlag und Herausgeber sind nur schwer zu finden. Allerdings zählt sie 1926 Paul Wagner in seiner „Methodik des erdkundlichen Unterrichts“ zu den 14 wichtigsten Schulatlanten.

Daher zeichnete Thomas Haller zunächst die Geschichte des Verlages. Gegründet wurde er 1833 als Kunst- und Verlagsanstalt von Ferdinand Piloty (1784 - 1844) und Joseph Loehle (1807 - 1844) in München. Ferdinand Piloty hat noch bei Alois Senefelder gelernt. Ab 1880 war Adolph Loehle Alleininhaber des Verlags, ab 1890 gehörte er der Dr. C. Wolff KG und existierte wohl bis 1942; immer aber unter dem Namen Piloty und Loehle. Sodann widmete sich Thomas Haller den Herausgebern Carl Loreck (*3.3.1844) und Albert Winter (20.1.1856 - 4.5.1939) sowie dem späteren Mitherausgeber Nikolaus Wührer (3.1.1871 - 17.11.1940).

Vorgestellt wurden diese Atlanten:

Der „Atlas von Süddeutschland“ von 1897. Es fand sich der Hinweis, dass Carl Loreck während seiner militärischen Laufbahn in das topographische Bureau nach München abkommandiert war. So wird man davon ausgehen können, dass er die Kartographie besorgte. 1904 erschien der „Atlas für die Bayerischen Mittelschulen“ in erster Auflage. Er ist so bis zur siebten Auflage erschienen.

Der „Schulatlas für höhere Lehranstalten“ erschien als achte (!) Auflage 1912 als Ausgabe A. Es ist eine dann nicht weitergeführte Fortsetzung des Mittelschulatlas mit 126 Kartenseiten.

Zugleich erschien eine Ausgabe B des „Schulatlas für höhere Lehranstalten“ in erster Auflage mit 146 Kartenseiten. Im Format ist sie kleiner als die A-Ausgabe. Dies ist der „Dauerbrenner“, der auch zwei- und vierbändig bis in die 30. Jahre fortgesetzt wird.

Die Ausgabe C des „Schulatlas für höhere Lehranstalten“. Sie hat vier Teile mit insgesamt 78 Kartenseiten.

Sonderausgaben für das Königliche Luitpold-Gymnasium in München und für das Königliche Gymnasium in Straubing.

Eine weitere Sonderausgabe stellt der Atlas für die höheren Klassen der städtischen von Müller’schen Töchterschule Regensburg dar.

Für Volksschulen erschienen „Heimatkarten für den 3. und 4. Schülerjahrgang der Münchener Volksschulen“ sowie „Kartensammlung für die Oberstufe (5. bis 8. Schülerjahrgang) der Bayerischen Volksschulen“. Letztere erschien in der Ausgabe A und B.

Die Karten der Atlanten von Loreck und Winter zeichnen sich durch ihre lebendige ausdrucksstarke Geländedarstellung bei sparsamer Beschriftung aus. Die plastische Darstellung der Erdoberfläche wird durch eine Kombination von farbigen Höhenschichten mit Schummerung- und Schattierungstechnik erreicht. Interessant ist der farblich abgehobene Übereinanderdruck zum Beispiel von Australien und Europa. Ein Flächenvergleich ist damit leicht möglich. Auch die vielen thematischen Karten sind etwas Besonderes. Die Kartographie dieser Werke braucht die Konkurrenten der damaligen Zeit nicht zu scheuen.

Hans Kern