20101028 Hennig.shtml 14.03.2012

 

28. Oktober 2010

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Kartographisches Kolloquium 2010/2011

Sektion Karlsruhe der Deutschen Gesellschaft für Kartographie e. V.
und Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft,
Fakultät für Geomatik

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Der Öffentlichkeit mögen die unkonventionellen, aber äußerst einprägsamen Kartendarstellungen von worldmapper.org schon einmal unter die Augen gekommen sein. Es handelt sich dabei um eine große Ansammlung von Darstellungen, die verschiedene Aspekte des menschlichen Handelns und Wirkens auf der Erde zeigen. Dies geschieht in Form von Kartenanamorphosen, es werden also die Bezugsflächen der Karte entsprechend einer Merkmalsausprägung zusammengeschrumpft oder „aufgeblasen“. Unterschiede und Kontraste sind dadurch auf den ersten Blick deutlich zu erkennen. Unter dem Vortragstitel „People powered maps – Geovisualisierung im Zeitalter der Globalisierung“ gab Dipl.-Geogr. Benjamin D. Hennig am 28. Oktober 2010 Einblick in die Forschungsarbeit des Department of Geography der Universität Sheffield/Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland. In der „Social and Spatial Inequalities Research Group“ werden unter anderem die Worldmapper-Karten erstellt und es wird daran gearbeitet, die Kartendarstellungen und die zugrunde liegenden Methoden weiterzuentwickeln.

 

Experimentelle anamorphe Weltbevölkerungskarte, in der die Meeresflächen auf ein Minimum reduziert wurden

Autor Benjamin Hennig

Experimentelle anamorphe Weltbevölkerungskarte, in der die Meeresflächen auf ein Minimum reduziert wurden

 

Die Motivation hinter dem Vorantreiben neuartiger Darstellungsformen ist durchaus ambitioniert. Laut Benjamin Hennig versucht man, sich den globalen Phänomenen von kartographischer Sicht her anders zu nähern, als man dies bisher mit den konventionellen Darstellungsmethoden getan hat. Im Zusammenhang mit der Arbeit in seiner Arbeitsgruppe wird von „spielerischer Verknüpfung“ von Informationen geredet, ja sogar von einem gewissen „künstlerischen Anspruch“. Natürlich soll dabei das Hauptziel der Geovisualisierung nicht in den Hintergrund treten: Die Schaffung von Wissen und Erkenntnis.

Was die Akzeptanz dieser neuartigen Karten angeht, so muss sich laut Benjamin Hennig noch etwas bewegen. Wünschenswert wäre es, wenn die Visualisierungen auch Einzug in Schulbücher erhielten. So würden sich das Lesen und die Interpretation dieser Darstellungen zur Selbstverständlichkeit entwickeln. Beispiele dafür gibt es bereits: Zur Visualisierung der Wahlergebnisse in Großbritannien wird in den britischen Medien regelmäßig eine auf einem hexagonalen Raster beruhende anamorphe Darstellung verwendet, die inzwischen als selbstverständlich angesehen wird.

Aus wissenschaftlicher und kartenlese-technischer Sicht ergeben sich aber bei den bisher von der Forschungsgruppe entwickelten und auf worldmapper.org gezeigten Karten Probleme: Der geographische Bezug wird nur durch die administrativen Grenzen aufrechterhalten. Feingliedrigere Informationen, beispielsweise die Ausprägung eines Phänomens innerhalb eines Landes werden unterschlagen.

Hier liegt der Aufgabenbereich von Benjamin Hennig. Im Rahmen seiner Dissertation an der Universität Sheffield entwickelt er die bislang verwendeten Methoden und Algorithmen weiter (www.viewsoftheworld.net). Als Datengrundlage dient nun nicht mehr die Bevölkerungszahl der einzelnen Länder, sondern ein global verfügbares, engmaschiges Bevölkerungsraster, das ursprünglich zum Zwecke der Klimaforschung an der Columbia University/USA erhoben wurde. Es führt zu einer deutlich gesteigerten räumlichen Auflösung. Um die Kartenanamorphosen zu erstellen werden Algorithmen verwendet, die ihren Ursprung in der Berechnung der Diffusion von Flüssigkeiten haben. Da die Rasterzellen (und die in ihnen liegenden Informationen) jeweils in Abhängigkeit ihrer Nachbarzellen verzerrt und auf der Karte bewegt werden, bleiben grundlegende geographische Bezüge bewahrt. Vor allem aber zeigt sich nun auch die räumliche Verteilung eines Phänomens innerhalb von Ländergrenzen.

Jakob Altenstein