20101104 Rappold Bericht.shtml 14.03.2012
4. November 2010
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Vermessungs- und Kartographiegeschichtliches Kolloquium 2010/2011Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft, Fakultät für Geomatik und Freundeskreis Geomatik im Verein der Freunde der HS |
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Foto Helmut Lehmann LVD i. R. Dipl.-Ing. Reinhold Schille, Hans Kern, Dipl.-Ing. (FH) Philipp Rappold, Prof. Dr. Tilman Müller, Prof. Rainer Hanauer (v. l.): Wie arbeitet eine Kippregel? |
Ein Vermessungs- und Kartographiegeschichtliches Kolloquium einmal etwas anders: Während sonst die Raritäten - seien es Karten, Atlanten oder anderes - mit allen Risiken des Transports an den Ort des Kolloquiums gebracht werden, begab sich diesmal am 4. November 2010 das Auditorium an den Ort der Sammlung: zum Ingenieurbüro des Öffentlich bestellten Vermessungsingenieurs Dipl.-Ing. Hansjörg Rappold in Bad Herrenalb.
Mit 17 Jahren erwarb Hansjörg Rappold das erste Sammlungsstück - damals noch wohlwollend vom Vater unterstützt, der das Ingenieurbüro gegründet hatte. Inzwischen ist es eine ansehnliche Sammlung geworden, die weiterhin durch Besuche auf Flohmärkten, aber auch durch Käufe bei Antiquitätenhändlern selbst aus England erweitert wird. Neben Vermessungsinstrumenten, die das Herzstück der Sammlung bilden, gehören auch mechanische Rechenmaschinen, steinerne Zeugen und Gemarkungsübersichtspläne aus Badischen Gemarkungsatlanten im Maßstab 1:10 000 dazu.
Das zuerst vorgestellte Instrument, montiert auf dem zugehörigen Holzstativ, war ein Bussolen-Theodolit der Firma Gurley, Troy, NY, USA. Technisch interessant, weil in Deutschland unüblich, in den USA und England aber die Regel, waren die vier Fußschrauben zur Horizontierung. Nach einigen Versuchen konnten auch die deutschen Experten das Gerät waagerecht stellen. Vorgestellt wurden Theodolite zum Beispiel der Askania Werke, Berlin, und von Gustav Warkentin & Max Krause, Leipzig, sowie ein Reise-Theodolit von Max Hildebrand, Freiberg.
Dies wie auch der Name Theodolit, den der Uneingeweihte als griechischen Ursprungs (Gott?, Stein?) vermuten wollte, gaben Anlass zu lebhaftem Meinungsaustausch. Als Erklärung des Namens wurde die Verballhornung von englisch „the alidade“ (die Alhidade) zu „theodolite“ angeführt. Eine kurze Recherche des Verfassers im Internet führt ebenfalls zu dieser Erklärung, aber auch dazu, dass im ersten beschreibenden Text zu dieser Erfindung „theodolite“ und „alidade“ unabhängig voneinander benutzt worden seien.
Weitere Instrumente waren Nivelliere unter anderem der Firmen C. Sickler, Karlsruhe, und Carl Zeis, Jena. Auch Kippregeln, Prismen, Kreuzscheiben und selbst englische Zollstöcke wurden bewundert. Auf die technischen Fortschritte verwies Prof. Rainer Hanauer, der die Veranstaltungsreihe auch in diesem Jahr wieder organisiert hat: das Durchschlagen des Fernrohrs zur Erhöhung der Messgenauigkeit, die Innenfokussierung zur Verschleißverringerung und die Entwicklung der Reichenbachschen Teilkreismaschine zur feineren Teilung des Kreises. Bemerkenswert waren auch Schilderungen, wie früher Spinnfäden zum Fadenkreuz verarbeitet wurden, wobei insbesondere auf genaue Einhaltung der Zugspannung zu achten war. Unklar blieb der weiße Farbanstrich einiger Geräte, wobei vermutet wurde, dass er der geringeren Erwärmung in heißem Klima geschuldet war.
Nach einer ausgesprochen kundigen Vorführung saß man noch bei Butterbrezeln, Schinken, Wein und Bier in den Rappoldschen Büroräumen zusammen und erörterte fachpolitische Entwicklungen.
Hans Kern