20101209 Bleisch.shtml 14.03.2012
9. Dezember 2010
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Kartographisches Kolloquium 2010/2011Sektion Karlsruhe der Deutschen Gesellschaft für Kartographie e. V.
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Am 9. Dezember 2010 kam Dipl.-Ing. MSc Susanne Bleisch, Institut Vermessung und Geoinformation der Fachhochschule Nordwestschweiz, Muttenz/Schweiz, mit einem Gastvortrag zum Thema „Visualisierung quantitativer Daten in virtuellen 3D-Landschaften“ nach Karlsruhe.
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Autorin Susanne Bleisch Aggregierte Daten einer Hirschwanderung im Schweizer Nationalpark, dargestellt durch quantitative Symbole in Google Earth |
Zunächst wurden die Anfänge sowie typische Formen der Visualisierung quantitativer Daten vorgestellt. Darunter fielen unter anderem Diagramme von William Playfair (* 22. September 1759, † 11 Februar 1823), der als Erfinder des Balken- und Kreisdiagramms gilt, sowie typische Kartendarstellungen in zweidimensionaler Form.
Anschließend erinnerte Susanne Bleisch an die Revolution Google Earth – die Welt als dreidimensionaler virtueller Globus. Darauf aufbauend verwies sie auf zwei kostenlos zur Verfügung stehende Daten-Visualisierungstools (GE-Graph, ThematicMapping Engine), welche eine einfache Implementierung von Datenvisualisierungen in Google Earth ermöglichen. Zugleich hat die Referentin jedoch auf die schwierige Interpretierbarkeit von Daten in solchen Darstellungen hingewiesen. Ein Beispiel hierfür ist die Prismenkarte der Bevölkerungsdichte aller Länder der Welt. Visualisierte Daten, die nicht direkt neben einander liegen, können kaum miteinander in Beziehung gesetzt werden. Ein weiteres Manko dieser Art von Darstellungen besteht darin, dass sie sich häufig gleichermaßen der graphischen Variablen Größe und Farbe für Quantitäten bedienen, was aus kartographischer Sicht bezüglich der Farbe falsch ist. Als zusätzliches Problem bei der Darstellung von Daten im Raum erweist sich die Tiefenwirkung und die daraus resultierenden möglichen Fehlinterpretationen.
Im Anschluss hat Susanne Bleisch ihr Projekt sowie damit verbundene Testphasen erläutert. Ihre Form der Visualisierung basiert auf Billboard-Balkendarstellungen, welche sich bei der virtuellen Begehung des Gebietes stets zum Beobachtungspunkt drehen. Die Erstellung der Balken geschieht über eine XSL-Transformation, welche Geodaten und Diagrammbeschreibungen zusammen führt. Die daraus resultierenden Diagramme basieren auf einem XML-Schema, genannt DiaML (Diagram Markup Language, Schnabel 2007). Als Experimentgrundlage hat man sich Google Earth wegen der guten Zugänglichkeit bedient.
In ihrer Fallstudie hat Susanne Bleisch die Wirkung von 2D-Balken im zwei- beziehungsweise dreidimensionalen Raum – auf unterschiedlichen Fragestellungen basierend – gegenübergestellt. Die Testergebnisse ergaben vernachlässigbare Unterschiede bezüglich Effektivität und Effizienz der Darstellungsvarianten. Referenzrahmen für die Balkensignaturen haben sich als sinnvoll herausgestellt, da diese die möglichen Höchstwerte weitaus deutlicher repräsentieren, mehr Übersicht in der Detailansicht verschaffen und zusammenhängende Daten besser in Bezug zueinander setzen. Als weitere Erkenntnis hat sich gezeigt, dass die Darstellung in 3D zum Beispiel beim Aufzeigen von Richtungen an ihre Grenzen stößt. Neben Studierenden und Universitätsmitarbeitenden wurde diese neue Form der quantitativen Datenvisualisierung auch Fachexperten vorgestellt, die sie als sinnvoll erachten und durch diese Darstellungsform ihre erhobenen Daten aus einer neuen Perspektive betrachten können.
Abschließend betonte Susanne Bleisch, dass sie eine Kombination unterschiedlicher Darstellungsvarianten (zum Beispiel 2D/3D, mit und ohne Raumbezug) für sinnvoll erachtet, da jede Form ihre Vorteile hat und die Entscheidung dem Nutzer schlussendlich überlassen bleibt, welche ihm am ehesten zugänglich ist. Im Zuge dessen hat sie auf die Möglichkeiten der traditionellen explorativen Informationsvisualisierung verwiesen, wo häufig mehrere interaktiv miteinander verknüpfte Darstellungen desselben Datensatzes verwendet werden.
Enrico Porada