20110120 Messmer Bericht.shtml 22.03.2012

 

20. Januar 2011

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Vermessungs- und Kartographiegeschichtliches Kolloquium 2010/2011

Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft, Fakultät für Geomatik und Freundeskreis Geomatik im Verein der Freunde der HS

„Vermessungsarbeiten in Troja von 1987 bis heute“ lautete das Thema von Dipl.-Ing. Eberhard Meßmer, Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur in Schwaikheim, der am 20. Januar 2011 zur zweiten Veranstaltung des Wintersemesters zu Gast war. Der Vortrag fand im Raum 202, Gebäude B statt.

 

Dipl.-Ing. Eberhard Meßmer während seiner Ausführungen

Foto Helmut Lehmann

Dipl.-Ing. Eberhard Meßmer während seiner Ausführungen

 

Zunächst schilderte Eberhard Meßmer die Geschichte der Ausgrabungen von Troja, einem Ausgrabungsort, der eine 6000-jährige Siedlungsgeschichte hat. Heinrich Schliemann führte 1869 die ersten Sondierungsgrabungen durch, da er den Vermutungen Frank Calverts glaubte, der anhand der Beschreibung der landschaftlichen Lage der Stadt durch Homer vermutete, die richtige Stelle erkannt zu haben. Während der ersten Grabungskampagnen, die 1871 begonnen hatten, ließ der Autodidakt Heinrich Schliemann einen breiten und tiefen Graben mitten durch den Hügel treiben, in der Hoffnung, so die Burg des trojanischen Königs Priamos zu finden. Dabei wurden wichtige Siedlungsspuren unwiederbringlich zerstört. In den folgenden Jahren nahm er daher die Hilfe des Archäologen Wilhelm Dörpfeld in Anspruch und ging erheblich vorsichtiger zu Werke. Heinrich Schliemann gilt als der Wegbereiter der Archäologie als Feldarbeit und der wissenschaftlich-methodischen Grabungstechnik. Seine Forschungsmethoden finden noch heute Anwendung. So arbeiten die Archäologen immer noch nach seinem Fünf-Meter-Raster. Heinrich Schliemann entdeckte unter anderem einen Goldschatz, den er für den Schatz des Priamos hielt. Dieser fiel 1945 als Kriegsbeute an Russland und befindet sich heute im Moskauer Puschkin-Museum.

Es gilt als sicher, dass um den strategisch und handelspolitisch bedeutsamen Siedlungsplatz Troja viele kriegerische Auseinandersetzungen geführt worden sind. Bei der Passage der Dardanellen gab es einst seefahrerische Probleme, weshalb alle Waren in Troja umgeschlagen wurden, um sie auf dem Landweg weiter zu transportieren. Hierdurch ergaben sich einträgliche Zolleinnahmen und die Stadt wurde reich. In der Fachwelt ist unumstritten, dass es sich bei der von Schliemann ausgegrabenen Stätte tatsächlich um Troja handelt. Auch den Trojanischen Krieg hat es tatsächlich gegeben.

Die neuen Grabungen und Forschungen in Troia/Türkei werden durch das Department of Classics der University of Cincinnati und von 1988 bis 2005 durch das Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Universität Tübingen fortgesetzt. Diese Aufgabe kann nur durch finanzielle Unterstützung der Industrie und der Landesregierung von Baden-Württemberg bewältigt werden. Zu den Forschungsschwerpunkten gehören die digitale Dokumentation von Geometrie und Sachdaten und der Aufbau eines archäologischen Informationssystems (Graphische Daten – Sachdaten). Seitens der Archäologen herrschte zunächst Skepsis wegen des großen Aufwands bei den 1987 begonnenen Vermessungsarbeiten, die sich später in Anerkennung verwandelte, handelte es sich doch um sehr moderne Verfahren, die im Anschluss an das Weltnetz mündeten.

Auf der Basis der Ausgrabungen von Heinrich Schliemann und Wilhelm Dörpfeld schuf Eberhard Meßmer ein umfangreiches und neuartiges archäologisches Informationssystem. In seinen interessanten Ausführungen erklärte er engagiert die angewandten vermessungstechnischen Methoden. Mittels elektronischer Theodolite und graphischer Datenverarbeitung mussten zunächst Koordinaten gewonnen werden. Beginnend mit der Rekonstruktion der Schliemannschen Quadrateinteilung wurde ein dreidimensionales Koordinatensystem als Grundlage für weitere Forschungsarbeiten entwickelt. Es zeigte sich, dass Wilhelm Dörpfelds Höhenmessung zu den Dardanellen identisch mit dem Ergebnis der Landesvermessung ist. Die Kartierungen von Wilhelm Dörpfeld sind in neue Karten eingepasst worden. Auch hierbei ergab sich eine hohe Genauigkeit derselben. Als eines der Grabungsergebnisse zeigte der Redner eine topographische Karte von Troia.

Lebendig schilderte Eberhard Meßmer zwischendurch immer wieder seine persönlichen Erlebnisse bei den Geländearbeiten. In der Diskussion wurde besonders gewürdigt, dass Eberhard Meßmer mit Sorgfalt fassbar gemacht hat, was in den Jahren seiner Vermessungsarbeiten geleistet worden ist.

Helmut Lehmann