20110323 Exkursion Schwarzwald Bericht.shtml 14.03.2012

 

23. März 2011

Tagesexkursion

St. Peter im Schwarzwald
Furtwangen im Schwarzwald

Eine gemeinsame Tagesexkursion der Sektion Karlsruhe der DGfK und des Studiengangs Kartographie und Geomatik der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft fand am 23. März 2011 statt. Tagesziele dieser Omnibusfahrt waren die ehemalige Benediktinerabtei St. Peter auf dem Schwarzwald und das Deutsche Uhrenmuseum der Hochschule Furtwangen.

Neben der Besichtigung von St. Peter war ursprünglich ein Besuch der Universitätsbibliothek Freiburg im Breisgau vorgesehen, der sich aber wegen Umbauarbeiten in den Bibliotheksräumen nicht durchführen ließ. Mit einer kurzfristigen Umplanung zugunsten des Uhrenmuseums gelang ein hervorragender Ersatz. Die Universitätsbibliothek bleibt einer weiteren Exkursion vorbehalten.

Im Örtlichen Vorbereitenden Ausschuss für den Deutschen Kartographentag 2009 in Karlsruhe war Frank Ruppenthal für die Exkursionen zuständig und hatte zusammen mit Dr. Joachim Neumann, Wachtberg diese Exkursion vorgesehen, sie aber wegen terminlicher Überschneidungen nicht durchführen können. Nachgeholt wurde sie nun unter der Leitung von Dr. Joachim Neumann, der sich freundlicherweise bereiterklärt hat, auch die folgenden Ausführungen zu verfassen.

Helmut Lehmann

 

„St. Peter auf dem Schwarzwald“ ist nach mehrfachen Großbränden als Barockkloster 1724 bis 1727 von Peter Thumb wiederaufgebaut worden und erlebte seine kulturelle Blütezeit im 18. Jahrhundert. Nach Begründung des Großherzogtums Baden wurde das Kloster säkularisiert und beherbergt heute das Geistliche Zentrum St. Peter der Erzdiözese Freiburg. Da Prof. Dr. Hans-Otto Mühleisen kurzfristig verhindert war, führte der Kunsthistoriker Wolfgang Mecklenburg M. A. aus St. Peter und an seiner Führung war nichts auszusetzen. Es ging fast zwei Stunden durch Kirche, Bibliothek, Festsaal und Treppenhaus.

 

Wolfgang Mecklenburg, Francis Fischer, Lothar Klaumünzner, Eberhard Hayn, Prof. Rainer Hanauer, Prof. Ulrich Reich, Dr. Joachim Neumann, Peter Huber (v. l.)

Foto Helmut Lehmann

In der Rokokobibliothek der ehemaligen Abtei St. Peter:
Wolfgang Mecklenburg, Francis Fischer, Lothar Klaumünzner, Eberhard Hayn, Prof. Rainer Hanauer, Prof. Ulrich Reich, Dr. Joachim Neumann, Peter Huber (v. l.)

 

Die Bibliothek mit den allegorischen Figuren der Wissenschaften und Künste ist das Prunkstück des einstigen Klosters. Besondere Aufmerksamkeit galt dem berühmten Globenpaar, das 1784 von Pater Landolin Bieheler fertig entworfen und vom Freiburger Maler Simon Göser ausgeführt worden war. Der berühmte angewandte Mathematiker, der „Uhrenpater“ Thaddäus Rinderle, nach Aufhebung des Klosters Professor in Freiburg, hat bei der Globenherstellung gewiss teilgehabt, vermutet Oehme.

Dr. Joachim Neumann gab eine kurze Einführung in die Globenentwicklung. Himmelsgloben gab es schon in der Antike, Erdgloben wohl kaum, da nur 10 % der Erdoberfläche mehr oder weniger bekannt waren. Einen Erdglobus mit 90 % terra incognita zu entwerfen, hätte wenig Sinn gehabt. Das Himmelsgewölbe war viel besser bekannt. In der damals führenden Wissenschaftsstadt Alexandria (geographische Breite etwa 31° N) konnte man 83 % des Himmelsgewölbes beobachten und nur 17 % blieben der abendländischen Astronomie verborgen, bis durch die portugiesischen Entdeckungsfahrten im 15. Jahrhundert das restliche Sternenzelt bis zum „Kreuz des Südens“ bekannt wurde. Ein künstlerisch gestalteter Himmelsglobus der Antike hat sich erhalten, nämlich in der 1575 gefundenen römischen Marmorkopie einer griechischen Bildhauerarbeit des 3. Jahrhunderts vor Christus, der so genannte „Atlas Farnese“. Der mythologische Riese Atlas war verurteilt worden, auf Ewig Himmelsträger zu sein. Das Bildwerk ist 1,91 Meter hoch, die Kugel im Nacken des Riesen hat einen Durchmesser von 65 Zentimetern. Erhaben sind die Himmelskreise und die klassischen Sternbilder hervorgearbeitet. Den Namen hat das Kunstwerk vom römischen Fürstengeschlecht Farnese, den seinerzeitigen Besitzern. Heute steht es im Nationalmuseum Neapel. Im Entdeckungszeitalter wurde innerhalb weniger Jahrzehnte die Erdoberfläche so weit bekannt, dass sinnvollerweise an einen Erdglobus zu denken war. Der älteste erhaltene und vielleicht überhaupt erste wurde von Martin Behaim 1492 in Nürnberg geschaffen. Er lebte lange in Portugal und hatte Erkenntnisse aus erster Hand, vielleicht sogar aus eigener Beteiligung. Nürnberg blieb in Theorie und Praxis Hauptstadt der Globenherstellung. Die Bibliothek von St. Peter besaß wichtige in Nürnberg erschienene Werke, auch aus der Zeit vor den letzten Klosterbränden, also nachträglich besorgte. Der Erdglobus gibt die allerletzten geographischen Entdeckungen wieder, zum Beispiel von Cooks Reisen und auch der Himmelsglobus entspricht dem Stand der Astronomie gegen 1800. Das Globenpaar ist mit Recht berühmt.

 

Prof. Eduard Saluz erklärt die astronomische Uhr von Pater Thaddäus Rinderle von 1787, links Dr. Joachim Neumann

Foto Helmut Lehmann

Im Deutschen Uhrenmuseum, Furtwangen:
Prof. Eduard Saluz erklärt die astronomische Uhr von Pater Thaddäus Rinderle von 1787, links Dr. Joachim Neumann

 

Prof. Ulrich Reich, den Kartographen bekannt als angesehner Mathematikhistoriker, gab eine Einführung in Leben und Werk von Prof. Thaddäus Rinderle (1748 bis 1824), einem typischen Vertreter klösterlicher Gelehrsamkeit im Zeitalter der Aufklärung mit praktischer Nutzanwendung bei Instrumentenbau, Hochwasserschutz am Rhein, Verbesserung der Schifffahrt und vor allem für die Schwarzwälder Uhrenherstellung. Prof. Ulrich Reich war es auch, der das Uhrenmuseum in Furtwangen als Ersatz empfahl für die kurzfristig entfallene Besichtigung einiger Karten aus dem Bestand von St. Peter in der im Umbau befindlichen Universitätsbibliothek Freiburg. Die Gattin von Hans Kern organisierte fernmündlich die ausgezeichnete Führung durch den Museumsleiter Prof. Eduard Saluz im Deutschen Uhrenmuseum in Furtwangen, das der Hochschule Furtwangen angeschlossen ist. Neben anderen Wunderwerken analoger Uhrmacherkunst des 18. und 19. Jahrhunderts, unter anderem des Planetariums des württembergischen Pfarrers Hahn, aber auch den wohlfeilen Gebrauchsuhren bis zum 20. Jahrhundert, war die astronomisch-geographische Uhr von Pater Thaddäus Rinderle von 1787 zu bewundern.

Erwähnt sei auch das kurzweilige, den kollegialen Zusammenhang befördernde Mittagessen in den Klosterstuben in St. Peter. Schade, dass keine jüngeren Kollegen der Sektion dabei waren…

Joachim Neumann