20111201 Roesch Bericht.shtml 22.03.2012

 

01.12.2011

Logo der Fachhochschule KarlsruheVermessungs- und Kartographiegeschichtliches Kolloquium 2011/2012

Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft, Fakultät für Geomatik und Freundeskreis Geomatik im Verein der Freunde der HS

Zum Thema „Johann Gottfried Tulla - Ein Portrait“ sprach am 1. Dezember 2011 Dr.-Ing. Norbert Rösch, Karlsruher Institut für Technologie, Geodätisches Institut, in der ersten Veranstaltung des laufenden Wintersemesters. Die Vortragsreihe findet nun wieder regelmäßig im „asbestrenovierten“ Raum 202, Gebäude B, der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft, statt.

 

Dr.-Ing. Norbert Rösch während seines Vortrags

Foto Monika Antoni

Dr.-Ing. Norbert Rösch während seines Vortrags

 

Es ist bewundernswert, in wie weit der Referent das Original-Quellenmaterial studiert hat und sich bei seinen Ausführungen nicht nur auf Sekundärliteratur stützte. Er versuchte, Tulla in seinem Schaffen und Kontext so vorzustellen, wie ihn seine Zeitgenossen vermutlich gesehen haben. Der aufschlussreiche Vortrag brachte neue Erkenntnisse zur Person Tulla und zu seiner Bedeutung als Geometer, Wasser- und Straßenbauer sowie als Hochschullehrer. Es ist zwar allgemein bekannt, dass Tulla den Rhein korrigiert hat, weniger verbreitet ist das Wissen darüber, dass aus seiner Ingenieurschule letztlich das heutige Karlsruher Institut für Technologie (KIT) mit hervorgegangen ist. Auch die badische Landesvermessung sowie die badischen Wurzeln des Landesamts für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg gehen auf Tulla zurück.

Dr.-Ing. Norbert Rösch hat sich freundlicherweise bereiterklärt hat, die folgenden Ausführungen zu verfassen, versteht er doch mehr von der Materie, als jeder andere Berichterstatter.

Helmut Lehmann

 

Der Vortrag thematisierte das vielfältige Schaffen eines der bedeutendsten Ingenieure seiner Zeit. Die Präsentation begann mit einigen Folien über die Ausbildung Tullas zum Ingenieur. Daran anschließend wurde die erste Stufe der badischen Grundlagenvermessung vorgestellt, die maßgeblich von Tulla beeinflusst war. Dies belegen zahlreiche von ihm persönlich ausgearbeitete Instruktionen und Auswertestrategien. Auf der Basis dieser Grundlagenvermessung konnte die erste topographische Karte des im Jahre 1806 entstandenen Großherzogtums Baden erstellt werden. Die 1812 erschienene Karte 1:500 000 hatte als Längenbezug noch den von Ptolemäus festgelegten Nullmeridian durch Ferro (El Hierro).

Einen weiteren Schwerpunkt der Präsentation bildete die Rheinbegradigung, die Tulla Zeit seines Lebens beschäftigte. Auf mehreren Folien wurden die Gründe, die zur Durchführung dieser Maßnahme führten, dargestellt. Dabei wurde insbesondere das fundierte wissenschaftliche Vorgehen Tullas hervorgehoben. Details zur technischen Realisierung des Projekts und die diesbezüglich von Tulla durchgeführten Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen, die insbesondere auch die finanzielle Seite der durchgeführten Arbeiten umfassten, rundeten das Thema ab.

Im Anschluss wurde Tulla in seiner Rolle als "Hochschullehrer" beziehungsweise "Hochschulgründer" vorgestellt. Aus der von ihm gegründeten Ingenieurschule entstand zunächst die Universität, die zwischenzeitlich in einer Großforschungseinrichtung - dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) - aufgegangen ist. Im Weiteren wurde auf die Verdienste Tullas bei der Neudefinition der Maße und Gewichte hingewiesen.

Ein Blick auf Tullas Werk aus der heutigen Sicht bildete den Abschluss des Vortrags. Dabei fällt auf, dass sich nahezu alle von Tulla in Angriff genommenen Projekte positiv entwickelt haben. Insbesondere seine Prognosen hinsichtlich der Rheinbegradigung sind im Wesentlichen so eingetreten, wie er es vorhergesagt hatte.

In der anschließenden Diskussion stand die Rheinbegradigung im Vordergrund. Von den Zuhörern wurde besonders auf die ökologischen Nachteile der durchgeführten Maßnahmen hingewiesen. Darüber hinaus wurde festgehalten, dass nicht alle Details aus Tullas Arbeitsleben angesprochen werden konnten, da dazu die zur Verfügung stehende Zeit nicht ausreichte.

Norbert Rösch