Kartographisches Kolloquium
Prof. Jason Dykes besuchte uns von der City University of London – Department of Information Science. In seinem Vortrag "Exploring the GeoVisualization Design Space: Applications, Examples and Reflections" zeigte er viele Beispiele der Arbeiten, die in seiner Arbeitsgruppe entstanden sind. Er erklärte anhand vieler Beispielanwendungen den Kontext, warum man sich Gedanken über neue Darstellungsmethoden gemacht hat und wie diese dann umgesetzt wurden.
Es zeigte sich, dass die Ergebnisse seiner Arbeitsgruppe zu einem sehr großen Teil aus Experimenten heraus entstanden. Man versuchte die Frage "wie viel Information kann man in einen begrenzten Raum packen?" mit einer Kartenanwendung zur Volksbefragung in England zu beantworten, die auf einer Fläche eines A0-Posters über 200.000 Gebiete und über 40 Umfragevariablen enthält.
Da eine klassische geographische Darstellung klare Linien und Vergleichbarkeit verhindern würde, lag nahe, im nächsten Schritt zu überlegen "wie viel Geographie braucht man in einer Karte?". Das Kartogramm, das Lageinformation stark abstrahiert und nur bis zu einem bestimmten Grad beibehält, erwies sich als ideales Darstellungsmittel für Graphiken, die große Mengen an Informationen enthalten sollen.
Diese erweiterten Kartogramme sind geometrische Darstellungsmethoden, die nicht mehr den gewohnten Raumeindruck wiedergeben. Sie gewinnen aber sehr an Ästhetik und an Klarheit - und bleiben dennoch eine geographische Karte, da das Konzept des Raumbezugs kombiniert mit kontextuellen Daten bestehen bleibt.
Neue "semi-räumliche" Darstellungsmethoden nutzen die neuen Möglichkeiten der kartographischen Darstellung. So bieten interaktive Darstellungen auch die Möglichkeit zwischen der klassischen geographischen Karte und dem Flächenkartogramm hin und her zu wechseln.
Prof. Jason Dykes stellte Anwendungen, die auch alle im Internet zu sehen sind (https://giCentre.org), vor und zeigte dabei die interaktiven Nutzungsmöglichkeiten: durch eine einfache Bedienung kann ein Datensatz ganz unterschiedlich dargestellt werden, um so, je nach Hauptinteresse des Nutzers, statistische Daten nach Wunsch sinnvoll darzustellen.
Die trockenen Tabellen der Migrantenzahlen in Irland im letzen Jahrhundert können durch eine graphische Darstellung sehr sinnvoll visualisiert werden. Mit verschiedenen Ansichten, geographisch - statistisch - graphisch, kann der Nutzer einen bestimmten Sachverhalt besonders betonen. Die Migrantenflüsse können zum Beispiel unterschiedlich stark betont werden, die Geschwindigkeit kann verändert werden, es können durch kurvige Stromlinien Herkunft und Ziel abgebildet werden.
Will man verschiedene Themen gleichzeitig darstellen, kann man die Informationen voneinander trennen und in zwei versetzt zueinander liegenden Grundkarten abbilden.
Die Darstellungsmöglichkeiten sind enorm und sind, auch wenn für manche Anwender noch ungewohnt, sehr informativ ohne zu überlasten.