11. Dezember 2011

Kartographisches Kolloquium

The internet! Is that thing still around? Core concepts for Modern Cartography

Ein Vortrag von Prof. Dr. Michael Peterson

 

Online-Katasterdatenbanken, Online-GIS-Systeme oder skalierbare Vektorkarten sind nur kleine Beispiele aus der großen Vielfalt, die das Internet bietet. In seinem Vortrag vom 29.11.2011 ging Prof. Dr. Michael Petersen aus Omaha insbesondere auf den meist genutzten und prägendsten kartographischen Dienst im Internet ein: Die Online Street Maps.

 

Dieses digitale Kartenmaterial ist vom Anwender anpassbar. D.h. der Nutzer kann zum Beispiel zwischen Satelliten- oder Straßendarstellung wählen, den Maßstab beliebig wechseln oder durch zusätzliche Applikationen Ebenen mit weiterführenden Daten anhängen. Durch diese „Mashups“ können verschiedenste Datenquellen in einer Karte visualisiert werden.

 

Das bekannteste und am meisten genutzte Beispiel für eine solche Online Street Map ist das Standards setzende GoogleMaps. So wird nicht nur die Mercator-Projektion von sämtlichen OSM-Dienstleistern eingesetzt, sondern auch das gesamte Kartenmaterial wird in 256 x 256 kleine Pixelgrafiken (Tiles) eingeteilt. Dies garantiert die Austauschbarkeit der Daten von einer Applikation zur nächsten.

Da das gesamte Kartenbild in jedem Maßstab aus vielen kleinen Einzelbildern zusammengesetzt ist, müssen nur die kleinen Grafiken neu geladen werden, die auch tatsächlich angezeigt werden. Dies ermöglicht kurze Ladezeiten.

Bei Änderungen des Maßstabes werden die Tiles gegen neue, dem Maßstab angepasste Bilder ausgetauscht, die der Detailtreue des neuen Kartenmaßstabes gerecht werden.

 

Einen weiteren Vorteil bietet die Möglichkeit der visuellen Anpassung der Daten. Amerikaner, zum Beispiel, sind andere Kartensignaturen gewohnt als Europäer. 

Da die Daten digital vorliegen, ist es möglich die Daten kulturspezifisch aufzubereiten und regional in gewohnter Darstellung zu präsentieren.

 

Um diese Vielfalt an Diensten zur Verfügung zu stellen, tragen Konzerne immense Kosten. 

Nicht nur das Aufkaufen des Satellitenbildmaterials und das Digitalisieren der Karten ist teuer, sondern auch das Abspeichern der einzelnen Tiles.

Vier Tiles des kleinsten Maßstabes auf einem Server bereitzuhalten, kostet nur $ 0,000006. Das Abspeichern derselben Fläche in einer mittleren Auflösung bedarf allerdings schon 1 Mio. Tiles und verbraucht 15 GB Speicherplatz bei Kosten von 450 US-Dollar. Die komplette Darstellung der Erdoberfläche im Größten Maßstab bedarf ca. 1 Billion Tiles, was einem Speicherbedarf von 20 Petabytes entspricht und 600 Millionen US-Dollar kostet.

 

Doch nicht alle Funktionen von GoogleMaps sind unumstritten, wie zum Beispiel Google StreetView. Der Millionenkonzern bemüht sich als Trendsetter, die Erde immer detailtreuer und in größeren Maßstäben zu präsentieren und schreckt nicht davor zurück die Erdoberfläche aus der Sicht eines Menschen abzufotografieren.

Dem Surfer soll die Gelegenheit geboten werden, digital durch jede Stadt zu schlendern. Eine Möglichkeit, die jeder analogen Karte verwehrt bleibt. Dennoch wurden in großen Teilen Europas nur die Großstädte erfasst.

 

Die interaktiven Möglichkeiten selbst Daten mit Google MapMaker in Datenbanken einzuspeisen, stellt eine potentielle Fehlerquelle dar. Fehler sollen, nach dem Wikipedia-Prinzip, durch die Kontrolle anderer User ausgeschlossen werden. Wird aber eine Markierung an einem selten aufgerufenen Ort eingefügt, wird dieser aufgrund fehlender Popularität nicht korrigiert.

 

Ein weiteres Problem zeigte Michael Petersen anhand des „Baltimore Phenomenons“ auf. 

Baltimore ist eine Großstadt mit 2,7 Millionen Einwohnern.  Die Beschriftung von Baltimore ist allerdings bei einem kleinen Maßstab nicht möglich. Es konkurrieren so viele Beschriftungen um Platz, dass für Baltimore kein Platz mehr bleibt. Digitale Karten haben also eine Vielzahl an Vorteilen gegenüber analogen Karten, aber einige altbekannte Problematiken bleiben weiterhin erhalten.

 

Am Ende des Vortrags geht Herr Petersen auf die Nutzung von Kartenmaterials mittels mobiler Endgeräte ein. 

Seit dem Erscheinen der ersten Smartphones, nimmt die Nutzung der Onlinekarten auch außerhalb von Einzelplatzrechnern zu. Die Nutzer können überall dort wo es Handynetze gibt, Karten abrufen, ihren eigenen Standort überprüfen oder sich den nächsten Frisör in der unmittelbaren Umgebung heraussuchen lassen.

In Europa gibt es eine ausreichende Abdeckung des Handynetzes, sodass der Dienst überall in Anspruch genommen werden kann.

Dagegen sind Großteile der USA nicht mit Handynetzen ausgestattet. In diesem Fall können die Tiles vor der Reise heruntergeladen und im Offline-Betrieb eingesetzt werden.

Die Anwendung des Online-Kartenmaterials erfreut sich mittlerweile einer solchen Beliebtheit, dass zum Beispiel die Monitorgröße des iPads genau auf 12 Tiles angepasst wurde.

 

Auch wenn digitale Karten nicht ohne Nachteile sind, sieht Herr Petersen ein großes Potential im Markt der digitalen Karten und betont, dass gerade hier ein vielfältiger und sicherer neuer Arbeitsbereich für Kartographen geschaffen wird.

 

Irene Johannsen