Jubilaeum 50.shtml 11.07.2011
Das fünfzigjährige Bestehen der Sektion Karlsruhe der Deutschen Gesellschaft für Kartographie e. V. wurde am 28. Oktober 2004 in einer Festveranstaltung in der Aula der Fachhochschule Karlsruhe – Hochschule für Technik gefeiert.
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Foto Ludwig Zimmermann Karlsruher Mandolinen- und Gitarrenverein 1903 e. V. |
Nach einer musikalischen Einstimmung durch das Orchester des Karlsruher Mandolinen- und Gitarrenvereins eröffnete Sektionsleiter Professor Hans Kern die Veranstaltung. Zunächst erläuterte er die Funktionen und Aufgaben von Regionalvereinen. Es sei wichtig, junge Menschen auf die Kartographenlaufbahn vorzubereiten und gleichzeitig in die DGfK einzubinden. Außerdem wurde die enge Verbindung der Sektion zur Fachhochschule aufgezeigt, die etwa durch die gemeinsam ausgetragenen Kartographischen Kolloquien, ein- und mehrtägige Fachexkursionen aber auch durch die Unterstützung von Webmapping-Symposien zum Ausdruck kommt.
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Foto Ludwig Zimmermann Professor Dr. Werner Fischer, Rektor der Fachhochschule Karlsruhe, Bürgermeister Manfred Groh, Stadt Karlsruhe, Dipl.-Ing. Karl Andreas und Dipl.-Ing. Manfred Donié, Präsident a. D., Landesamt für Flurneuordnung und Landentwicklung Baden-Württemberg (1. Reihe von links) |
Den Reigen der Grußworte eröffnete Professor Dr. Werner Fischer, Rektor der Fachhochschule Karlsruhe – Hochschule für Technik. Er hob die gute Stellung des Studiengangs Kartographie hervor, insbesondere die des sehr nachgefragten Master-Studiengangs. Nach den Worten von Bürgermeister Manfred Groh, Stadt Karlsruhe, der in Vertretung von Oberbürgermeister Heinz Fenrich sprach, betonte Dr. Peter Aschenberner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kartographie, die Veränderung der Tätigkeitsfelder von Kartographen. Ein weiteres Grußwort überbrachte Professor Dr. Tilman Müller, Dekan des Fachbereichs Geoinformationswesen. Dipl. Ing. Achim Hoppe aus Leipzig, Sprecher der Sektionen in der DGfK, lobte die Sektion Karlsruhe als eine der größten, mitgliederstärksten und aktivsten. Weitere Grußworte sprachen Dipl.-Ing. (FH) Bettina Schmücking und Dipl.-Ing. (FH) Heinz Mohrhard für die beiden Nachbarsektionen Südbaden und Stuttgart.
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Foto Ludwig Zimmermann Dipl.-Ing. Achim Hoppe, Sprecher der Sektionen der DGfK, Dr. Peter Aschenberner, Präsident der DGfK, Professorin Dr.-Ing. habil. Monika Sester, Universität Hannover, und Dipl.-Ing. Hansjörg Schönherr, Präsident des Landesbetriebs Vermessung Baden-Württemberg (1. Reihe von links) |
Im weiteren Verlauf der Veranstaltung erhielt Dipl.-Ing. (FH) Helmut Lehmann in Anerkennung seiner außerordentlichen Leistungen für die deutsche Kartographie von Dr. Peter Aschenberner einen Ehrenbrief verliehen. Mit dieser Urkunde würdigte die DGfK die herausragenden Leistungen des Geehrten, der über 40 Jahre lang ehrenamtlich für die Gesellschaft tätig war und noch ist, davon fast 40 Jahre als Sektionssekretär. Das besondere Interesse gilt den Sektionsinfos, in denen nicht nur über Kolloquien, sondern über alle kartographierelevanten Ereignisse berichtet wird. Diese Infos sind mit der von ihm maßgeblich geformten Homepage mustergültig ausgebaut worden.
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Foto Ludwig Zimmermann Dipl.-Ing. Hansjörg Schönherr und Hans Kern (von rechts) |
Nach einem Intermezzo des unter der musikalischen Leitung von Roland Ganz spielenden Orchesters des Karlsruher Mandolinen- und Gitarrenvereins 1903 e. V. begann der fachliche Teil der Veranstaltung. Den Festvortrag hielt Dipl.-Ing. Hansjörg Schönherr, Präsident des Landesvermessungsamts Baden-Württemberg, zum Thema Die Rolle der Kartographie – Aspekte und Perspektiven. Der Redner fasste die Geschichte der Kartographie und den damit verbundenen Bedeutungswechsel von Karten zusammen. Die moderne Kartographie ist von ihrer Geschichte nicht zu trennen. Erfahrungen, die aus einer Jahrtausende alten Tradition gezogen werden können, lassen sich in folgenden Aspekten zusammenfassen: Kartographie erzeugt Bilder. Sie ist deshalb ein wichtiges Element der menschlichen Kommunikation. Karten bedeuten Sicherheit für den Nutzer. Für ein geordnetes Staatswesen sind Karten unverzichtbar. Hierbei wurde in Beispielen auf die Bedeutung in der Verwaltung und für Umweltinformationen hingewiesen. Die Nachfrage nach Karten ist die wichtigste Triebfeder für die Weiterentwicklung der Kartographie. Die Aufgaben der Kartographie für Staat und Gesellschaft wandeln sich zwar, bleiben aber grundsätzlich erhalten. Neben digitalen Karten wird man auch in Zukunft immer noch analoge Karten aus Papier brauchen. Der Kartenherstellungsprozess bedarf einer Beschleunigung, da viele Anwender der Aktualität der Karte höchste Priorität beimessen. Deshalb muss der Generalisierungsprozess möglichst bald umfassend programmgesteuert ablaufen. Den entsprechenden Weg gehen die Landesvermessungsämter Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Schleswig-Holstein und Thüringen konsequent. Eine stärkere Orientierung der Kartographie an Nutzerbedürfnissen ist das Ziel dieser Bemühungen.
Über Kartographie heute – Die Sicht der kartographischen Forschung sprach anschließend Professorin Dr.-Ing. Monika Sester vom Institut für Kartographie und Geoinformatik der Universität Hannover. Sie sieht die Technologie als einen Faktor, der neue Möglichkeiten für die Kartographie schafft, die mit dem Aufkommen kleiner mobiler Geräte einen Aufschwung erfahren hat. Diese bieten ganz neue Möglichkeiten der kartographischen Darstellung, wie adaptive bzw. individualisierte Karten, welche den Bedürfnissen des Nutzers angepasst sind. Bei den Methoden zur Erstellung solcher Karten stehen mit der Automation verbundene Prozesse, etwa Fragen der Datenintegration, im Vordergrund. Bei einer nutzerspezifischen Navigation dienen an Stelle von Straßennamen Landmarken als Grundlage für Wegbeschreibungen. Wichtig ist die automatische Generierung solcher Landmarken aus bestehenden Karten. Hinzu kommt die Adaption der Visualisierung. Als Variable dient beispielsweise das Alter des Nutzers, wobei Symbole und Signaturen auf der Karte dessen Alter entsprechend generiert werden. Als weiteres großes Feld wurde die 3D-Visualisierung aufgeführt und die unterschiedlichen Ansätze von möglicht fotorealistischen Darstellungen einerseits und nicht-fotorealistischen anderseits gezeigt.
Professor Dr. Robert Weibel, Geographisches Institut der Universität Zürich/Schweiz, befasste sich mit Kartographie heute – Die Sicht der geographischen Forschung. Die Beziehung zwischen Kartographie und Geographie war seit jeher eng. Viele Entwicklungen haben die beiden Nachbarwissenschaften in gegenseitiger Beeinflussung vollzogen. Die Geographie war bis vor wenigen Jahrzehnten noch eine eher beschreibende Wissenschaft. Folglich waren ihre Anforderungen an die Kartographie auch mehr statischer, aufzeichnender Natur und konnten durch die konventionellen Produkte der Kartographie abgedeckt werden. Die moderne Geographie versteht sich als eine prozessorientierte Raumwissenschaft mit dem Ziel, räumliche Systeme und Prozesse zu erklären. Aus dieser Prozessorientierung lassen sich verschiedene Konsequenzen für die Kartographie ableiten, die in Richtung einer zunehmenden Dynamisierung, einer hochinteraktiven Arbeitsweise sowie einer stärkeren Integration von Modellbildung und Visualisierung führen. Zudem bringen technische und gesellschaftliche Trends neue Chancen und Anforderungen an die Kartographie, die in individualisierten, ortsbezogenen Diensten (Location Based Services) mit egozentrischer Perspektive ihren Niederschlag finden.
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Foto Ludwig Zimmermann Dipl.-Ing. Eberhard Herdeg, Hans Kern und Professor Ulrich Reich (von links) |
Zum Abschluss des Tages stand in der Mensa der Fachhochschule ein Badisches Vesper bereit. Mitglieder und Gäste machten davon regen Gebrauch. Man freute sich über das Wiedersehen und nahm die Gelegenheit zum intensiven Gedankenaustausch gerne wahr.
Bereits vor der Festveranstaltung konnte man die Einrichtungen des Fachbereichs Geoinformationswesen (G) der Fachhochschule kennen lernen. Professor Dr. Wolfgang Denk und Dipl.-Ing. (FH) Christian Stern hatten dankenswerterweise eine interessante Führung durchgeführt.
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Foto Ludwig Zimmermann Peter Huber, Karlheinz Müller und Lothar Klaumünzner (von links) |
Auch die kleine Ausstellung Kartographische Arbeitsplätze einst und jetzt war am Jubiläumsstag zu sehen. In einem Semesterraum des Fachbereichs G erfolgte hierbei die Gegenüberstellung von Arbeitsplätzen und -geräten aus verschiedenen Jahrzehnten. Hans Daske, Peter Huber und Lothar Klaumünzner hatten typische Materialien aus den Epochen des Kupferstichs, der Lithographie sowie der Zeichen- und Gravurverfahren zusammengetragen. Für den kartographischen Nachwuchs bot sich die seltene Möglichkeit, einmal selbst einen Stichel in die Hand zu nehmen und einen kleinen Versuch in herkömmlicher manueller Technik zu machen. Mancher tat dies zum ersten Mal.
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Foto Helmut Lehmann Anette Meier und Christiane Enderle (von links) |
Unter der Leitung von Dipl.-Ing. (FH) Christian Stern zeigten unterdessen Studentinnen und Studenten an mehreren Rechnern aktuelle Beispiele aus den Bereichen GIS, Datenbanken, Internet-Visualisierung. Weitere Fotos von der Festveranstaltung finden sich im Fotoalbum dieser Homepage.
Oliver Hoehn
Einrichtungen des Fachbereichs Geoinformationswesen
Kartographische Arbeitsplätze einst und jetzt
B-Gebäude der Fachhochschule Karlsruhe
Karlsruher Mandolinen- und Gitarrenverein
1903 e. V., Dirigent Roland Ganz
Kleine Suite in G-Dur von Konrad Wölki
Einführung Prof. Hans Kern, Leiter der Sektion Karlsruhe der Deutschen Gesellschaft für Kartographie
Grußworte und Ehrungen
Karlsruher Mandolinen- und Gitarrenverein
1903 e. V., Dirigent Roland Ganz
La gondoliere di morte, Traditionell, Bearb. Roland Ganz
Marcia Pavaniglia von Roland Ganz
Festvortrag
Dipl.-Ing.
Hansjörg Schönherr
Präsident des Landesvermessungsamts Baden-Württemberg,
Stuttgart
Die Rolle der Kartographie –
Aspekte und Perspektiven
Fachvorträge
Prof.
Dr.-Ing. habil. Monika Sester
Institut für Kartographie und Geoinformatik der
Universität Hannover
Kartographie heute – Die Sicht der
kartographischen Forschung
Prof. Dr.
Robert Weibel
Geographisches Institut der Universität Zürich
Kartographie heute – Die Sicht der
geographischen Forschung
Aula der Fachhochschule Karlsruhe
Mensa der Fachhochschule Karlsruhe
Veranstaltungsort Fachhochschule Karlsruhe – Hochschule für Technik, Karlsruhe, Moltkestr. 30
Auskunft
bei Prof. Hans Kern, Rotensoler Straße 32, 76359 Marxzell
Telefon (0 72 48) 93 21 25, Telefax (0 72 48) 93 21 23
E-Mail hans.kern(at)hs-karlsruhe.de
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Festschrift50 Jahre Sektion Karlsruhe
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Helmut Lehmann, 50 Jahre Sektion Karlsruhe
Helmut Lehmann, Veranstaltungskalender
Werner Böser, Herstellung einer Übersichts- und Stadtkarte des historischen Raqqa/Syrien
Kurt Brunner, Fünfzig Jahre moderne Kartentechnik – konventionelle und digitale Technologie
Wolfgang
Denk, Internationale Weltatlanten als moderne
Printmedien
Ein didaktischer Ansatz mit redaktionellen Aspekten
Eszter Dombóvári, Austauschstudium in Karlsruhe
Rita Eggert, Rechtlicher Schutz von Geodaten in Europa
Christiane Enderle, Kartographie als
Dienstleistung am Geographischen Institut der
Philipps-Universität Marburg
Eine Rückschau auf die vergangenen 10 Jahre
Wolfgang
Fischer, Digitale Karten und Informationssysteme bei der DB
Netz AG
Entwicklung, Stand und Ausblick aus kartographischer Sicht
Peter
Freckmann und Jochen
Wendel, Flugbewegungen über Nordamerika
Animierte Karten für einen interaktiven multimedialen
Atlas
Fabian Fushöller und Andreas Schnabl, Kartenverwandte Darstellungen mit ESRI ArcGIS
Uwe Girndt, Die astronomischen Messungen des Claudius Ptolemaeus in seinem „Handbuch der Astronomie“ und seiner „Geographie“
Matthias
Grün, Von der Papierkarte zur CD-ROM
Die WR50 V2.0 und ihre Funktionen
Detlef Günther-Diringer, Die Entwicklung von GIS-Anwendungen der letzten 15 Jahre im Naturschutz mit einem Schwerpunkt auf Flüssen und Auen
Eberhard Hayn, Die Darstellung der Schweiz in den klassischen Handatlanten
Christian
Herrmann, 25 Jahre Informationsvisualisierung
25 Jahre Fachrichtung Kartographie und Geomatik an der
Fachhochschule Karlsruhe
Oliver Hoehn und Jochen Wendel, Interview mit Herrn Professor Dr. Dietmar Grünreich im Bundesamt für Kartographie und Geodäsie in Frankfurt am Main am 27. Mai 2004
Werner
Kraus, Nationalatlas Bundesrepublik Deutschland
Ein kartographisches Großprojekt
Reinhard
Leuschner, Kartographie in der Raumordnung und
Landesplanung
Dargestellt am Beispiel der obersten Landesplanungsbehörde
Rheinland-Pfalz im Ministerium des Innern und für Sport
Marco
Lukec, Geomarketing bei infas GEOdaten
Thematische Kartographie in der Business-Welt
Heinz
Musall, Wissen, wie man eine thematische Karte macht
Französische Anleitungen zum Herstellen einfacher
themakartographischer Darstellungen
Joachim Neumann, Das Entstehen einer südwestdeutschen Verlagskartographie seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert
Michael Oberdorfer und Hans Kern, Sensitive Karten und Grafiken als Verkaufsunterstützung in einem Online-Shop für den Landkarten-Versand
Franz Pietruska, Der Pietruska Verlag heute
Gertrud Schaab, Biodiversitätsforschung in Ostafrika – nur ein Abenteuer für Kartographen?
Wolfgang
Schmidt, Stadtkartographie im Wandel
13 Jahre Kartographie in Kassel
Christian
Schön und Hannes
Zimmer, Einsatz von PHP bei der Erstellung eines
Fahrplan-Informationssystems
Studienarbeit im Fach Datenbanken und Informationssysteme
Hansjörg Schönherr, Zur Rolle der Kartographie – Aspekte und Perspektiven
Harald Steinmann und Wencke Weit, Algorithmen und Datenstrukturen
Die Festschrift ist 2004 als Reihe A, Band 16 der Karlsruher Geowissenschaftlichen Schriften erschienen, Herausgeber ist Hans F. Kern.
Das Buch ist über den Fachbereich Geoinformationswesen der Fachhochschule Karlsruhe zu den dort üblichen Konditionen beziehen:
Fachhochschule Karlsruhe – Hochschule
für Technik
Fachbereich Geoinformationswesen
Moltkestr. 30
D-76133 Karlsruhe
Tel. (0721) 925-2911, -2928 und -2590